Der ORF-Wahlkampf nimmt jetzt richtig an Fahrt auf. Am Montag hat die Findungskommission des Stiftungsrates jene Kandidaten definiert, die die Ausschreibungskriterien für den Top-Job am Küniglberg erfüllen. Es sind genau 13.
Neben dem öffentlichen ORF-Hearing, dem sich die Kandidaten stellen, haben auch die Neos für Dienstag zu einem solchen geladen – übrigens als einzige Partei, obwohl sie sich öffentlich stets genau gegen diesen parteipolitischen Einfluss im ORF aussprechen.
Eingeladen zu dieser Veranstaltung im altehrwürdigen Wiener Funkhaus in der Argentinierstraße wurden laut Partei "alle Personen, die ihre Bewerbung öffentlich gemacht haben und – soweit man das aus öffentlichen Infos ablesen kann – den Ausschreibungskriterien entsprechen".
Das Interesse der Bewerber am Hearing ist aber vorsichtig formuliert ausbaufähig. Einen Korb haben sich die Pinken etwa von ORF-III-Chefin Kathrin Zierhut-Kunz und Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz geholt. Beide gelten als FPÖ-nahe – und haben sich wohl keine Chance ausgerechnet, bei diesem Hearing hoch zu gewinnen.
Von den 13 "zugelassenen" Kandidaten ebenfalls nicht dabei sein wird unter anderem ORF-"Rebellin" Sonja Sagmeister, die ja im rechtlichen Clinch mit dem Öffentlich-Rechtlichen liegt. Sie will sich dafür am Mittwoch in einer Pressekonferenz zum Bestellprozedere der neuen ORF-Führung äußern. Das dürfte nicht sehr freundlich ausfallen.
Auch Ex-Servus-TV-Chef Robert Altenburger, Medienmanager Torsten Prenter, Ex-Henkel-Kommunikationschef Ernst Primosch, die Schweizer Medienmanagerin Kathrin Ruter und der Journalist Andrew Solomon nehmen nicht am Hearing teil.
Damit bleiben nur fünf Kandidaten übrig. Die haben allerdings durchaus Chancen auf den ORF-Chef. So nimmt Ex-APA-Chef Clemens Pig teil. Er hat seinen APA-Vertrag bereits auflösen lassen. Ein mögliches Asset: Er gilt als Favorit von Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker. Der Volkspartei steht laut Sideletter der Koalition der Chefsessel am Küniglberg zu.
Von den Neos auf den Zahn fühlen lässt sich auf Lisa Totzauer. Die aktuelle ORF-Magazinchefin war davor "Channel Managerin" bei ORF 1 und als solche für das gesamte heutige Design dieses Kanals verantwortlich. Zudem darf sie sich den Relaunch der ZiB1 im Jahr 2007 inklusive Entwicklung und Einführung der Erklärgrafik auf ihre Fahnen heften.
Vergangenheit am Küniglberg hat auch Petra Höfer. Die ehemalige ORF-Managerin hatte vor einigen Jahren Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, Mobbing und Machtmissbrauch gegen ihren damaligen Chef erhoben. Die Konsequenz: der Rauswurf beim ORF. Jetzt versucht sie also ein Comeback an der Spitze.
Als vierter mit dabei ist Johannes Larcher. Er hatte vor 30 Jahren selbst beim ORF gearbeitet. Schließlich führte ihn sein Weg als General Manager zu Warner. In dieser Funktion war er für die Einführung des Streamingdienstes HBO Max außerhalb der USA verantwortlich. Er will im ORF "echte Erneuerung statt Schönheitskorrekturen" durchführen.
Und schließlich lässt sich auch Markus Breitenecker das Hearing der Neos nicht entgehen. Der Medienmanager und frühere Chef von Puls4 gilt als durchaus Neos-nahe. Die Befürchtung am Küniglberg: dass Breitenecker dort mit seiner früheren Puls4-Mannschaft einreitet und personell mit eiserner Hand durchgreift. Seine Chancen auf den ORF-Chefposten dürfte das nicht unbedingt erhöhen.
Wer sich selbst ein Bild machen will, kann das heute ab 18 Uhr auf ORF ON machen. Auch die Neos selbst streamen das Event auf ihrem YouTube-Channel.