Dem Bundesheer gehen die Soldaten aus. Das war bereits vor fast genau einem Jahr so, als der Brigadier und Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, Erich Cibulka, in der damaligen "ZIB2" forderte, die Wehrpflicht künftig auch auf Frauen auszuweiten. Der Ruf nach einer Reform der Wehrpflicht in Österreich werde immer lauter, so die Argumentation. Angesichts wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen und Personalprobleme beim Bundesheer sei es aus seiner Sicht notwendig, das bestehende System neu aufzustellen.
Eine Wehrpflicht für beide Geschlechter würde zudem dem Gleichbehandlungsgrundsatz entsprechen, hieß es. Darüber hinaus sprach sich Cibulka für ein umfassendes "Österreich-Jahr" aus. Sein Vorschlag sah einen längeren Grundwehrdienst sowie verpflichtende Truppenübungen über mehrere Jahre hinweg vor. Ehemalige Grundwehrdiener sollen demnach bis etwa zum 30. Lebensjahr regelmäßig für Übungen einberufen werden. Wer keinen Wehrdienst leistet, würde weiterhin den Zivildienst absolvieren.
Die Vorschläge kamen seitdem aber kaum von der Stelle, auch wenn die Diskussion über die künftige Ausrichtung von Bundesheer und Wehrpflicht weiterlief. Die eingesetzte Experten-Kommission sprach sich für die Verlängerung des Wehrdienstes von sechs auf acht Monate plus anschließender Miliz-Übungen für zwei Monate aus – doch die Regierung findet offenbar kein Modell, mit dem alle zufrieden sind. Am späten Montagabend war Cibulka deshalb erneut bei ORF-Moderator Martin Thür in der "ZIB2" zu Gast.
Man sehe "dramatische Bilder aus der Ukraine, dramatische Bilder aus dem Nahen Osten. Aus der ganzen Welt. Die friedlichen Zeiten sind offensichtlich vorbei", so Cibulka dazu, warum eine Entscheidung über die Zukunft des Bundesheeres so dränge. Niemand habe die Erwartung, dass wir in "den erwarteten ewigen Frieden" zurückkehren würden, so der Experte. Zum Schutz der Bevölkerung müssten "höchstmögliche Vorsorgen" getroffen werden. Und wenn Experten dies betonen würden, wäre es an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen.
Warum solle aber der Grundwehrdienst länger als zu Zeiten des Kalten Krieges dauern, fragte Moderator Thür nach. Weil sich auch die Wochenarbeitszeiten geändert hätten – er selbst sei früher als Grundwehrdiener "mindestens eine, wenn nicht zwei Nächte im Freien" gewesen und habe bis Samstagmittag Dienst gehabt. Und warum sei das 6+2-Modell, das die SPÖ favorisiert (sechs Monate Grundwehrdienst, zwei Monate Milizübungen), kein Kompromiss? Weil ein längeres Modell für eine bessere Einsatzfähigkeit des Heeres sorgen würde, hieß es.
Wirklich, wenn Systemerhalter wie Kraftfahrer oder Küchenhilfen länger Dienst machen müssen? Durch den kurzen Grundwehrdienst seien "viel mehr Systemerhalter notwendig sind, als wenn er länger wäre", das sei "ein mathematisches Phänomen", so Cibulka. Weniger Personen seien in "belanglosen" Tätigkeiten unterwegs, mehr könnten militärisch ausgebildet werden, hieß es. Ein "kompletter Denkfehler" sei, ob sich Österreich überhaupt ein längeres Modell leisten könne. Wenn das Heer gebraucht werde und nicht funktioniere, werde das teurer.