Klimaticket, Jahreskarte und andere Öffi-Tickets werden teurer, Flugtickets könnten in Österreich hingegen bald günstiger werden. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat am Dienstag erstmals eine Senkung der umstrittenen Flugabgabe angekündigt. "Wir werden die Flugabgabe senken und sind gesprächsbereit", erklärte der Regierungschef gegenüber der "Kleinen Zeitung" im Rahmen seiner China-Reise.
Damit kommt Bewegung in eine Debatte, die seit Monaten für Diskussionen sorgt. Mehrere Fluggesellschaften (allen voran Ryanair), heimische Flughäfen und acht Landeshauptleute hatten zuletzt eine Abschaffung oder zumindest deutliche Reduktion der Ticketsteuer gefordert.
Aktuell beträgt die Flugabgabe in Österreich zwölf Euro pro Passagier. Bei besonders kurzen Flügen bis 350 Kilometer werden sogar 30 Euro fällig. Die Steuer wurde 2011 eingeführt und bringt dem Staat jährlich Millionen.
Allein im Vorjahr flossen knapp 180 Millionen Euro in die Staatskasse. Für 2026 waren ursprünglich rund 190 Millionen Euro eingeplant. Allerdings blieben die Einnahmen bisher hinter den Erwartungen zurück. Auch am Flughafen Wien-Schwechat gingen die Passagierzahlen zuletzt zurück.
Eine Senkung der Flugabgabe kostet den Staat Geld. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) hat im "Heute"-Interview für 2027 und 2028 jeweils 30 Millionen Euro zugesichert und budgetiert, um die Flugbranche zu unterstützen. Insgesamt dürfte die Regierung aber rund 60 Millionen Euro benötigen, berichtet die "Kleine Zeitung".
Woher die restlichen Mittel kommen sollen, ist noch offen. Im Gespräch sind auch Beiträge aus ÖVP-geführten Ministerien. Gleichzeitig muss die Regierung ihren Sparkurs fortsetzen. Politisch ist das Vorhaben vor allem für die SPÖ heikel. Während beim Bahnausbau gespart und das Klimaticket teurer wurde, könnte nun ausgerechnet das Fliegen günstiger werden.
Die Ankündigung des Kanzlers kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Die Austrian Airlines (AUA) erhalten vorerst keine weiteren neuen Langstreckenflugzeuge von ihrem Mutterkonzern Lufthansa. Die Maschinen sollen stattdessen innerhalb des Konzerns anderweitig eingesetzt werden.
Die heimische Luftfahrtbranche beklagt seit Längerem die hohen Standortkosten in Österreich. Besonders Billigflieger Ryanair macht Druck auf die Bundesregierung und fordert ein Ende der Flugabgabe.
Einen konkreten Termin für die Senkung nannte Stocker noch nicht. Auch wie stark die Abgabe tatsächlich reduziert werden soll, ist derzeit offen.
Denkbar ist, dass vor allem längere Flugstrecken entlastet werden, während die höhere Steuer auf besonders kurzen Verbindungen weitgehend bestehen bleibt. Für Urlauber ist die Ankündigung jedenfalls ein erstes positives Signal. Ob und wann Fluglinien die niedrigere Abgabe tatsächlich an ihre Kunden weitergeben, bleibt allerdings abzuwarten.