Am 8. Mai 1945 endete mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa – zugleich bedeutete dies das endgültige Ende des nationalsozialistischen Terrorregimes nach zwölf Jahren.
Aus diesem Anlass wird in Österreich das "Fest der Freude" veranstaltet. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: "Nie wieder ist jetzt." Doch angesichts des erneut aufflammenden Antisemitismus – insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 – scheint diese Mahnung zunehmend in Vergessenheit zu geraten.
Anlässlich einer Gedenkveranstaltung zur NS-Befreiung erinnerte Bundeskanzler Christian Stocker in einer Videobotschaft (er befindet sich aktuell auf Auslandsreise in den Emiraten; Anm.) an die Verantwortung Österreichs im Umgang mit seiner Geschichte. Der 8. Mai sei "kein Tag der Gewohnheit", sondern ein Tag der Selbstprüfung. Zugleich warnte Stocker vor den aktuellen Herausforderungen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt – dem rauen Ton in der Politik, steigenden Lebenshaltungskosten oder Migrationsfragen.
"Diese Herausforderungen sind real. Sie verlangen klare, verantwortungsvolle Politik – keine einfachen Parolen", betonte Stocker. Als exportorientiertes Land spüre Österreich die aktuellen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten besonders deutlich. "Umso wichtiger ist es, dass Österreich seinen Beitrag leistet – in der Europäischen Union und in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern."
Der Kanzler weiter: "Ja, die EU ist nicht perfekt. Es gibt berechtigte Kritik an Entscheidungen, Prozessen und Prioritäten. Doch wer sie kritisiert, muss auch sagen, was die Alternative ist. Kein europäischer Staat kann allein Sicherheit, Stabilität und wirtschaftliche Stärke in gleichem Maß gewährleisten." Es gehe daher nicht darum, Europa kleinzureden, sondern es stärker und handlungsfähiger zu machen.
Mit Blick auf den zunehmenden Antisemitismus und das Erstarken extremistischer Tendenzen fand der Kanzler klare Worte: "Es darf keinen Platz für Antisemitismus geben. Keinen Platz für Extremismus. Und keinen Platz für Relativierung." Demokratie dürfe nicht schrittweise ausgehöhlt werden – durch Desinformation, Respektlosigkeit gegenüber Institutionen oder gesellschaftliche Spaltung.
Zum Abschluss seiner Rede appellierte Stocker an den gesellschaftlichen Zusammenhalt und warnte davor, demokratische Entwicklungen als selbstverständlich hinzunehmen. Demokratie scheitere nicht plötzlich, sondern werde schrittweise ausgehöhlt, wenn zu viele wegsehen. Der 8. Mai sei deshalb kein Tag der Selbstzufriedenheit, sondern "ein Tag der Selbstprüfung". Österreich stabil zu halten, sei die zentrale Aufgabe der Gegenwart – "heute mehr denn je".