Urteil, Rücktritt, Neubesetzung – die neue Woche startete für die ÖVP äußerst turbulent. August Wöginger hat am Montag nach seiner nicht rechtskräftigen Verurteilung sein Amt als Klubobmann der Volkspartei niedergelegt. Sein Mandat im Nationalrat will er jedoch weiterhin behalten und rechtlich gegen das Urteil vorgehen – "Heute" berichtete.
Noch am Montagabend trat das Bundesparteipräsidium der ÖVP zu einer Sitzung zusammen, um über Wögingers Nachfolge zu diskutieren. Dabei ist es recht schnell zu einer Einigung gekommen: Als Favorit von Bundeskanzler Christian Stocker wurde Ernst Gödl zum neuen VP-Klubchef nominiert. Bei einer ÖVP-Klubsitzung am Dienstag wurde der 54-Jährige einstimmig bestätigt – auch hier berichtete "Heute" ausführlich.
"Eine starke und integrative Gesellschaft sind mir in meiner politischen Arbeit besonders wichtig. Ein lösungsorientierter Zugang und ein in die Zukunft gerichteter Blick machen gute parlamentarische Arbeit aus. Dafür stehen die Volkspartei und ich auch weiterhin. Ich danke dem ÖVP-Parlamentsklub für das mir heute ausgesprochene Vertrauen, dem ich gerecht werden will", so Gödl in einer ersten Stellungnahme.
Wer ist Ernst Gödl? Ein Kurzprofil
➤Geboren: 28.12.1971 in Graz
➤Familie: verheiratet, zwei Kinder
➤Ausbildung: Jurist
Karriere:
➤1995-2014: Bürgermeister von Zwaring-Pöls (mit 23 Jahren jüngster Bürgermeister Österreichs)
➤2000-2010: Abgeordneter im steirischen Landtag
➤2014-2017: Mitglied des Bundesrats, davon 2015-2017 Vizepräsident
➤seit 2017: Abgeordneter zum Nationalrat
➤seit 2020: Bereichssprecher für Integration und Sicherheit (seit 2024)
➤seit 5.5.2026: Klubobmann der Österreichischen Volkspartei
Am Dienstagvormittag trat Gödl gemeinsam mit Bundeskanzler Christian Stocker erstmals vor die Presse und präsentierte seine Pläne und Visionen.
Einleitend betonte der Bundeskanzler, dass es sich bei August Wöginger um ein erstinstanzliches Urteil handle. Er respektiere die Entscheidung von Wöginger und wolle sich für seine "unermüdliche Arbeit und Engagement" im Parlament bedanken. "Ich freue mich, dass Wöginger uns als Nationalratsabgeordneter erhalten bleibt", so Stocker.
Der neue Klubobmann sei einstimmig in die Funktion gewählt worden und genieße höchstes Vertrauen der Mandatare. "Er ist für diese Funktion hervorragend geeignet und wird sie hervorragend ausführen", betonte der Kanzler. Gödl werde seiner klaren Linie in Migration und Sicherheit treu bleiben. "Ich freue mich auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit."
Anschließend war Gödl am Wort. "Ich hoffe, Sie hatten eine ruhigere Nacht als ich", sagte er einleitend. Er zeigte sich zuversichtlich, dass er seine neue Aufgabe, die ihm großen Respekt abverlange, gut meistern werde. "Ich habe keine klassische politische Laufbahn durchlaufen", sagte er.
Ein prägendes Erlebnis sei ein Aufenthalt im Süden Mexikos gewesen, als ihm als 18-Jähriger klar wurde, in welch privilegierten Situation er in Österreich sei. Dies sei "kein Zufall", sondern u.a. Ergebnis einer geordneten Politik, so Gödl. "Ich wollte als Jugendlicher kritischer sein und keiner politischen Gruppe beitreten."
"Ich bin mir bewusst, dass ich eine große Aufgabe übernehme. Ich möchte den Klub weiterhin mit ruhiger Hand und als Verbinder zu den anderen Fraktionen führen." Er wolle Stabilitätsanker in ruhigen Zeiten sein, er stehe aber nicht für "große Sprüche", betonte der Klubchef.
Leistung im Land müsse sich wieder lohnen und tragfähige Lösungen gefunden werden. "Wir leben in einem wunderbaren Land und die Menschen sollen sich darauf verlassen können." Einer seiner Grundsätze sei: Haltung, Haftung und Hingabe. "Immer im Dienste der Menschen", so Gödl.
Außerdem schickte der Neo-Klubobmann "telepathische Grüße" an seine Tochter, die am Dienstag ihren ersten Maturatag hat. "Eigentlich wollte ich sie heute in die Schule begleiten, aber daraus ist nichts geworden. Aber ich bin dankbar, dass ich hier heute sitzen darf."
Gödl habe zu allen Parteien eine gute Gesprächsbasis – auch zu FPÖ-Vertretern, wenngleich man einen anderen Zugang habe. "Die Freiheitlichen sind kaum an Lösungen interessiert", kritisierte er.