Mexiko bis Millionenshow

"Kein Mann großer Sprüche" – So tickt neuer VP-Klubchef

Ernst Gödl wurde am Dienstag einstimmig zum neuen ÖVP-Klubobmann gewählt. Was er über sich und seine Grundsätze sagt, wie er das Amt angehen will.
Angela Sellner
05.05.2026, 18:51
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Viele haben meinen Namen wahrscheinlich erstmal googeln müssen“, sagt Ernst Gödl, als er Dienstagvormittag direkt nach seiner einstimmigen Wahl zum neuen ÖVP-Klubobmann gemeinsam mit Kanzler und Parteichef Christian Stocker vor die Presse trat.

In der Tat war die bereits am Montagabend durchgesickerte Personalie zunächst eine Überraschung. Stocker hatte den 54-jährigen Steirer und VP-Sicherheitssprecher als Kandidaten sozusagen "aus dem Hut gezaubert". Gödl verfüge über "Erfahrung, Verhandlungsgeschick, politisches Gespür", werde die Funktion "hervorragend ausfüllen", so Stocker.

Gödl folgt August Wöginger nach, der am Montag nach seiner erstinstanzlichen Verurteilung als VP-Klubobmann zurückgetreten war. "Ich trete in große Fußstapfen", streut Gödl seinem Vorgänger Rosen: "August Wöginger ist eine Ausnahmepersönlichkeit."

„Als Kanzler Stocker anrief, habe ich gerade die Reifen meines Autos gewechselt.“
Ernst Gödlneuer ÖVP-Klubobmann

Stocker habe ihn am Montag um kurz vor 19 Uhr angerufen – "habe ich gerade die Reifen meines Autos gewechselt, selber", erzählt Gödl. Er habe 20 Minuten Bedenkzeit erbeten, mit einigen Vertrauten – "allen voran meiner Frau" – gesprochen und Stocker dann zugesagt, dass er bereitstehe, wenn ihm die Fraktion das Vertrauen entgegenbringe – was in der Klubsitzung am Dienstag um 8 Uhr zu 100 Prozent erfolgte.

In Mexiko hat es "gefunkt"

Wer ist nun Ernst Gödl? Der Jurist und zweifache Vater – "meine Tochter schreibt gerade Deutschmatura, ich schicke ihr telepathische Grüße" – ist lange in der Politik, es war aber keine klassische Parteilaufbahn. "Gefunkt" habe es, als er mit 18 als Austauschschüler in Mexiko in einer sehr armen Gegend gewohnt habe. "Da ist mir klar geworden, was für ein Privileg es ist, in einem sicheren Land zu leben. Und dass das ein Ergebnis funktionierender Politik ist."

Jüngster Bürgermeister mit 23

Danach begann Gödl, sich politisch zu engagieren. Er wurde 1995 im Alter von 23 Jahren jüngster Bürgermeister Österreichs (der steirischen Gemeinde Zwaring-Pöls), zunächst parteilos. Zwei Jahrzehnte blieb er Bürgermeister, nach der Fusion seiner Gemeinde mit einer anderen machte er als Vizebürgermeister weiter; dieses Amt legte er erst im Vorjahr zurück ("wegen meiner vielen Aufgaben in Wien").

Der ÖVP trat Gödl im Jahr 2000 bei. Er war dann steirischer Landtagsabgeordneter, Bundesrat, seit 2017 sitzt er im Nationalrat. Er ist Bauernbündler – war unter anderem in der elterlichen Landwirtschaft tätig –, sitzt aber auch im Vorstand des ÖAAB, des Arbeitnehmerbunds der Volkspartei.

"Haltung, Haftung, Hingabe

Er werde den VP-Klub "mit ruhiger Hand weiterführen", erklärt der "Neue". Er sei "kein Mann großer Sprüche", sondern stehe für verlässliche Arbeit, Handschlagqualität. "Haltung, Haftung, Hingabe", seien seine Grundsätze. Es gehe ihm um Leistung, Sicherheit, Stärkung der Familien, Planbarkeit für Betriebe – klassische Leitlinien der Volkspartei.

Er habe zu allen Parteien eine gute Gesprächsbasis, betont Gödl. Explizit zu den Freiheitlichen gefragt, sagt er, man habe eine andere Linie und mache das auch deutlich. Die FPÖ sei "nicht an echten Lösungen interessiert".

Kandidat bei der Millionenshow

Und er führt mit Begeisterung Menschen durchs Parlament in Wien. 180 Gruppenführungen durch das Hohe Haus habe er seit der Wiedereröffnung persönlich gemacht, jeweils zwei Stunden lang – ich möchte Demokratie erlebbar machen".

Übrigens: Gödl, der in Latein und Altgriechisch maturiert hat, war 2004 Kandidat bei Armin Assinger im "Bürgermeister-Special" der Millionenshow, holte mit seinem Wissen 10.000 Euro für die Erweiterung des Spielplatzes der Volksschule seiner Gemeinde.

Öffi-Fahrer

Ob er künftig für die Arbeit als Klubobmann noch mehr in Wien sein müsse und wolle? Er sei ohnehin schon sehr viel in Wien, sagt Gödl – auch weiterhin werde er aber am Wochenende Veranstaltungen in der steirischen Heimat besuchen, überhaupt pflege er regen Kontakt zu seinem Wahlkreis.

Zwischen der Steiermark und Wien spult er seit Jahren viele Kilometer ab. "Ich bin begeisterter Öffi-Fahrer, mit Klimaticket", betont Gödl. Wobei das Reisen mit der Bahn auf der Südstrecke mitunter mühsam sein könne, "weil man da im Zug nicht telefonieren kann", beklagt er sich über mangelnden Handyempfang. Was ihn vielleicht künftig mehr aufs Auto setzen lassen könnte. Die Sommerreifen hat er ja schon aufgezogen...

{title && {title} } sea, {title && {title} } Akt. 05.05.2026, 19:02, 05.05.2026, 18:51
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