Eine Samenbank in Dänemark sorgt für Aufsehen: Wer dort spenden will, muss nicht nur gesund sein – sondern auch einen Mindest-IQ von 85 nachweisen und ein sauberes Führungszeugnis vorlegen. Die neuen Kriterien werfen nun auch ethische Fragen auf.
Die Samenbank Donor Network mit Sitz in Aarhus ist laut eigenen Angaben die erste in Europa mit solchen Anforderungen – obwohl das dänische Gesetz einen solchen IQ-Test nicht vorschreibt. Neben medizinischen Tests müssen Spender einen IQ-Test bestehen und ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge vorlegen. Die Ergebnisse des vom Institut vorgeschriebenen IQ-Tests werden später sogar im Spenderprofil veröffentlicht – gemeinsam mit Angaben zu Aussehen und Gesundheit.
Geschäftsführer Jakub Knudsen betont: "Soweit wir wissen, sind wir weltweit die einzige Samenbank mit diesen Anforderungen. Wir würden uns nicht wohlfühlen, diese Personen als Spender anzubieten, wenn wir sie nicht auch unseren eigenen Patienten empfehlen würden."
Alle Spender absolvieren einen standardisierten Test, den sogenannten "Culture Fair Test 20-R". Dieser misst logisches und abstraktes Denken und soll unabhängig von Sprache oder Bildung sein. Die Ergebnisse sollen vor allem eines ermöglichen: mehr Transparenz für Menschen, die einen Spender auswählen. Knudsen erklärt: "Der IQ ist ein starker Indikator – nicht nur für schulischen Erfolg und Einkommen, sondern auch für Gesundheit und Lebenserwartung."
Die Normalverteilung des IQs liegt bei einem Durchschnitt von 100 und einer Standardabweichung von 15. Ein IQ zwischen 85 und 115 gilt als durchschnittlich.
In Dänemark gelten bereits umfassende Vorschriften für Samenspenden.
Die neuen Anforderungen stoßen jedoch auch auf Kritik. Experten warnen davor, Eigenschaften wie Intelligenz oder Verhalten zu stark genetisch zu erklären. Die Medizinethikerin Daniela Cutas von der Universität Lund betont, dass die Entwicklung eines Kindes nicht nur von Genen abhängt. Auch Faktoren wie Erziehung, Bildung, Ernährung, emotionale Unterstützung spielen eine entscheidende Rolle.
Laut dem dänischen Sender DR betonen Medizinethiker, dass ein Screening von Spendern auf bestimmte Erbkrankheiten dazu beitragen kann, das Risiko negativer Folgen zu reduzieren. Zuletzt wurde ein Fall bekannt, wo ein dänischer Samenspender mit seltener Genmutation fast 200 Kinder zeugte.