Wie viel Alkohol, Nikotin und illegale Drogen tatsächlich konsumiert werden, lässt sich oft nur schwer erfassen. Eine Abwasseranalyse der Medizinischen Universität Innsbruck liefert nun einen ungewöhnlichen Einblick – und zeigt: Österreich liegt auch 2025 im europäischen Mittelfeld. Auffällig ist jedoch ein klarer Trend: Kokain ist weiter auf dem Vormarsch.
Für die Studie wurden über eine Woche hinweg täglich Proben aus dem Zufluss der Kläranlagen entnommen und chemisch analysiert.
Die Ergebnisse liefern eine Momentaufnahme des Konsums, gelten aber als besonders verlässlicher Indikator für gesellschaftliche Trends.
Die Ergebnisse sind Teil des jährlichen Berichts der Europäischen Drogenagentur. Für die Untersuchung wurden im Frühjahr und Frühsommer 18 Kläranlagen analysiert, deren Einzugsgebiet rund 190 Gemeinden umfasst. Damit wurden knapp 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung erfasst – darunter auch Großstädte wie Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck.
Wie schon in den Jahren zuvor ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Besonders in Städten – allen voran Wien – ist der Konsum deutlich höher als am Land.
Die Auswertung zeigt auch, wie der durchschnittliche Konsum aussieht. Laut Studienautor Herbert Oberacher entspricht dieser pro Tag etwa ein Glas Wein, drei bis vier Zigaretten, 0,07 Joints und rund zwei Milligramm aufputschende Drogen.
Im Vergleich zum Vorjahr blieb das Gesamtbild weitgehend stabil – lediglich die Menge an Stimulanzien stieg leicht an.
Besonders auffällig ist der Trend bei Kokain: Der Konsum ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent gestiegen. "Wie in ganz Europa wurde auch in Österreich ein Anstieg beobachtet", so Oberacher. Kokain ist damit die einzige Droge mit langfristig steigender Tendenz – abgesehen von einem kurzen Rückgang während der Corona-Pandemie.
Alkohol und Nikotin hingegen sind relativ gleichmäßig im ganzen Land verteilt.
Viele Substanzen werden vor allem am Wochenende konsumiert. Das gilt insbesondere für Alkohol, Kokain und MDMA ("Ecstasy"). Das deutet darauf hin, dass diese Drogen häufig als Partydrogen verwendet werden.
Erstmals wurde auch eine Kläranlage in Südtirol untersucht. Das Ergebnis: Der Drogenkonsum ist dort insgesamt niedriger als in Österreich. Nur beim Kokain lag der Verbrauch in Bozen auf ähnlichem Niveau wie in Innsbruck.