Viele Menschen greifen bewusst zu Produkten mit Fruchtzucker, weil sie glauben, damit die "gesündere" Wahl zu treffen. Fruktose stammt aus Obst – und wirkt damit automatisch harmloser als gewöhnlicher Haushaltszucker. Dies ist mitunter einer der Gründe, weshalb Smoothies so populär geworden sind. Sie gelten oft als gesunde Alternative, können aber schnell zur Zuckerfalle werden, denn sie enthalten ähnlich viel Zucker wie Softdrinks - auch, wenn es vermeintlich "gesunder" Zucker aus der Frucht ist.
Der Grund: Sie enthalten große Mengen an Fruchtzucker (Fruktose), der beim Mixen vieler Früchte in kurzer Zeit aufgenommen wird. Anders als beim Essen ganzer Früchte fehlt oft die sättigende Wirkung der Ballaststoffe. Außerdem würde man wohl nicht diese Menge an Obst auf einmal essen, wie in einem Smoothie enthalten ist.
"Fruktose ist kein 'gesünderer' Zucker – im Gegenteil: In großen Mengen kann sie über verschiedene Stoffwechselwege die Nieren massiv beeinträchtigen", betonte die Fachgesellschaft der deutschen Nierenspezialisten (DGfN). Vor allem zuckerhaltige Getränke stehen im Fokus der Kritik. Sie liefern Fruktose in hoher Konzentration und werden schnell aufgenommen. In Kombination mit Hitze oder Flüssigkeitsmangel, etwa im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung, kann das die Nieren zusätzlich belasten.
Anders als Glukose (Traubenzucker) wird Fruktose vor allem in der Leber, aber auch in den Nieren verstoffwechselt. Ein dauerhaft hoher Konsum kann laut Experten Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz begünstigen – allesamt wichtige Risikofaktoren für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. "Beide Erkrankungen zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine chronische Nierenerkrankung", erklärt Sylvia Stracke, Nierenexpertin an der Universitätsmedizin Greifswald.
Ein besonderes Problem: Fruktose ist der einzige Zucker, der beim Abbau vermehrt Harnsäure entstehen lässt. Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel steht im Zusammenhang mit Bluthochdruck, Gicht, Nierensteinen und Entzündungen in der Niere. Zudem fördert Fruktose entzündliche Prozesse und die Bildung von Fett im Körper, was auch die feinen Blutgefäße der Nieren schädigen kann.
Problematisch ist laut Experten nicht der Fruchtzucker aus frischem Obst, sondern vor allem zugesetzte Fruktose in industriellen Produkten.
"Viele unterschätzen, wie viel Fruktose sie allein über Getränke aufnehmen", warnt Stracke. Bereits ein halber Liter Softdrink könne mehr Zucker enthalten, als täglich empfohlen wird.
Die schädlichen Effekte sind wissenschaftlich gut belegt. Beim Abbau von Fruktose wird viel Energie verbraucht, was zu einem Energiemangel in den Zellen führen kann.
Die Folgen: oxidativer Stress, Entzündungen, Gefäßschäden, verengte Blutgefäße.
Langfristig steigt dadurch das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung deutlich. Diese verläuft oft lange unbemerkt – und wird daher häufig erst spät entdeckt.
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie empfiehlt, zuckergesüßte Getränke konsequent zu reduzieren. Stattdessen sollten bevorzugt werden Wasser, ungesüßter Tee, Kaffee.
Chronische Nierenerkrankungen sind weitverbreitet: Rund zehn Prozent der Bevölkerung sind betroffen. In Österreich entspricht das etwa 900.000 Menschen.