Für viele Menschen beginnt der Tag mit einem lauten Piepen des Smartphones. Doch genau diese schrillen Wecktöne könnten das Aufstehen sogar erschweren. Laut einer neuen Analyse der audiovisuellen Agentur Startle belasten viele Standard-Wecker – besonders auf dem iPhone – das Nervensystem stärker als nötig.
Die Forscher untersuchten insgesamt 140 Smartphone-Wecktöne. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Standardtöne beim iPhone könnte das Aufwachen unnötig stressig machen.
Biologisch gesehen können hektische und sehr hohe Alarmtöne den Körper in einen sogenannten Kampf-oder-Flucht-Modus versetzen. "Plötzliche Alarme können eine kurze Stressreaktion auslösen", erklärte Expertin Birah gegenüber der Washington Post. Laute und schrille Geräusche aktivieren demnach das sympathische Nervensystem – Herzfrequenz, Blutdruck und das Stresshormon Cortisol steigen kurzfristig an. Zwar dauert diese Reaktion meist nur kurz an, dennoch kann sie dazu führen, dass man sich am Morgen benommen, gereizt oder mental träge fühlt.
Ein weiteres Problem ist die sogenannte Schlafträgheit. Sie beschreibt das Gefühl von Benommenheit und geistiger Verlangsamung direkt nach dem Aufwachen.
Wie stark sie ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab – etwa davon, wie viel man geschlafen hat, in welcher Phase des Schlafzyklus man geweckt wird oder welches Geräusch der Wecker macht. Die Übergangsphase kann wenige Minuten dauern, manchmal aber auch über eine Stunde.
Wer regelmäßig abrupt durch laute Alarme geweckt wird, kann diese Schlafträgheit sogar verstärken. Dem Gehirn fällt es dann schwerer, vollständig in den Wachzustand zu wechseln.
Ein guter Wecker versucht laut den Forschern nicht, den Schlafenden mit einem Schock aufzuwecken. Stattdessen arbeitet er mit dem natürlichen Wachprozess des Gehirns zusammen.
Solche Klänge aktivieren laut Birah verschiedene Bereiche des Gehirns, die für Aufmerksamkeit und Hörverarbeitung zuständig sind. Das führt zu einem langsameren Anstieg der Wachheit und kann die geistige Leistungsfähigkeit kurz nach dem Aufwachen verbessern.
Auf Grundlage dieser Kriterien hat das Team von Startle mehrere Smartphone-Wecktöne identifiziert, die besonders sanft wecken sollen.
Beim iPhone schnitt der Ton "Sencha" am besten ab. Er besitzt eine einfache Melodie in C-Dur, ein Tempo von rund 110 Beats pro Minute und eine relativ niedrige Frequenz. Weitere gute Optionen sind "By the Seaside", "Steps" und "Uplift".
Auch bei Samsung-Geräten wurden geeignete Wecktöne identifiziert. Besonders empfohlen werden "Synth Bell" und "Roller Disco". Beide Melodien liegen ebenfalls in C-Dur, haben ein Tempo zwischen 110 und 120 BPM und eine vergleichsweise niedrige Tonfrequenz.
Wer ganz ohne Smartphone aufwachen möchte, kann auf sogenannte Sonnenaufgangswecker setzen. Diese Geräte simulieren einen natürlichen Sonnenaufgang und erhöhen das Licht im Raum langsam.
Der Vorteil: Licht unterdrückt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und signalisiert dem Gehirn, dass es Zeit zum Aufstehen ist. Dadurch kann der Körper sanfter in den Wachzustand übergehen.
Der richtige Weckton kann zwar helfen, doch er ist nur ein Teil des Puzzles. Viele Faktoren beeinflussen, wie leicht oder schwer das Aufstehen fällt – etwa Schlafqualität, genetische Veranlagung oder psychische Belastungen. Entscheidend ist laut Expertin Birah vor allem eine regelmäßige Morgenroutine. Das Gehirn reagiere besonders gut auf wiederkehrende Muster.
Solche Signale helfen dem Gehirn, sanfter vom Schlaf in den Aktivitätszustand zu wechseln. "Das Ziel ist nicht nur aufzuwachen", sagt Birah. "Es geht darum, dem Gehirn ein vertrautes Muster zu geben, damit der Übergang in den Tag leichter wird."