Wer frisch verliebt ist, will am liebsten jede Nacht eng umschlungen einzuschlafen – zumindest stellt man sich das so vor. Getrennte Betten gelten hingegen für viele als Anzeichen einer Beziehungskrise.
So meint ein "20 Minuten"-Leser etwa: "Pärchen, die nicht zusammen schlafen, sind einfach unglücklich im Leben". Und eine Leserin schreibt: "Niemals könnte ich getrennt von meinem Mann schlafen." Trotzdem entscheiden sich immer mehr Paare genau dafür. Die Zeitung hat bei jungen Schweizern nachgefragt.
Die Gründe sind meist ganz pragmatisch: Viele Paare haben unterschiedliche Schlafgewohnheiten, verschiedene Aufstehzeiten oder werden vom Schnarchen des anderen wachgehalten. Was auffällt: Niemand spricht von Entfremdung – im Gegenteil, es geht fast immer um mehr Erholung und besseren Schlaf.
"Es tat so gut, als wir uns dafür entschieden haben", erzählt Lou (21). Sie ist seit fünf Jahren mit ihrem Freund zusammen, gemeinsam haben sie zwei Kinder. "Mein Partner hat laut geschnarcht. Ich hatte keine Nerven mehr", gesteht sie.
„Meine Partnerin schnarcht, irgendwann bin ich aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen.“
Auch S. (33) kennt das Problem: "Meine Partnerin schnarcht, irgendwann bin ich aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen." Später zog er wieder ein, als seine Freundin ihn vermisste. "Meine neueste Hoffnung ist ein maßgefertigter Gehörschutz – mal schauen, wie das wird!"
Für manche Paare ist auch der eigene Freiraum wichtig. A. (25) wohnt seit zweieinhalb Jahren mit ihrem Freund zusammen, aber jeder hat sein eigenes Schlafzimmer. "Das ist unser Safespace", sagt sie. "Jeder von uns kann sein Zimmer so gestalten, wie er will – auch einmal unordentlich."
Während viele Paare sich mit getrennten Schlafzimmern begnügen, ist Alexandra (40) noch einen Schritt weiter gegangen. Nach vielen schlaflosen Nächten und langen Gesprächen zog sie nach der Geburt ihres Kindes in eine eigene Wohnung. Für sie ist das kein Scheitern: "Ich will nicht zurück. Es geht mir viel besser."
Marco (30) und Céline (30) haben sich schon beim Zusammenziehen für getrennte Betten entschieden. Sie spüren, dass es da gesellschaftliche Erwartungen gibt. "Unser nahes Umfeld hat mehrheitlich gut darauf reagiert. Vor allem ältere Leute sagten, sie hätten das früher auch machen sollen", erzählt Céline. Trotzdem gibt es Menschen, die meinen, so könne eine Beziehung nicht funktionieren.
Gerade, wenn ein Kind auf die Welt kommt, denken viele Paare um. Laura Sophie (34) hat vor der Geburt ihres Sohnes noch mit ihrem Partner das Bett geteilt. Jetzt schläft der Bub bei ihr, ihr Partner im eigenen Bett. Der Grund ist einfach: Mit Kindern ändern sich die Rhythmen und der Schlaf wird knapp.
Lou (21) bemerkt auch Veränderungen beim Thema Sex: "Wir haben weniger Sex als Paare, die gemeinsam schlafen. Alles ist geplanter", sagt sie. Spontane Nähe gibt es seltener. "Im Moment ist mir aber wichtiger, dass wir ein friedliches Zusammenleben haben."
Auch Beziehungscoach Jana Michaelsen kennt das Thema. Sie ist selbst Mutter und Ehefrau und spricht offen darüber. Sie glaubt, dass die Generation Z immer öfter getrennt schlafen will, weil junge Leute alte Beziehungsmodelle hinterfragen. "Man fragt sich eher: Passt das überhaupt zu mir?"
„Liegt es an der Person, an mir – oder steckt ein tieferer Konflikt dahinter?“
"Viele denken: Das geht nicht, die Beziehung geht kaputt." Das kann man aber nicht so pauschal sagen. "In separaten Betten zu schlafen ist nicht der Grund, warum eine Beziehung scheitert." Wichtig sei, warum man getrennte Zimmer will: "Liegt es an der Person, an mir – oder steckt ein tieferer Konflikt dahinter?"
Michaelsen lebt das Modell auch selbst. Sie schläft in ihrer Ehe ebenfalls getrennt. "Wir suchen bewusster Nähe im Alltag", erklärt sie. "Sowohl Schlaf als auch Sex haben sich verbessert", erzählt sie.
Ein gemeinsamer Spaziergang oder ein gutes Gespräch verbinden sie und ihren Mann mehr als nebeneinander zu liegen. Sie bestätigt, dass Ehe und Kinder die Schlafbedürfnisse verändern – das sei aber nicht der einzige Grund für getrennte Zimmer. "Meine eigenen Bedürfnisse sind wichtiger, als ein Bild für die Außenwelt aufrechtzuerhalten."