Phänomen

Warum du beim Einschlafen oft das Gefühl hast zu fallen

Viele Menschen kennen es: Kurz vor dem Einschlafen fühlt es sich plötzlich an, als würde man fallen. Was hinter dieser Körperreaktion steckt.
Heute Life
16.03.2026, 23:00
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Kennst du das auch? Du liegst schon gemütlich im Bett, bist fast eingeschlafen – und plötzlich zuckst du zusammen, als würdest du in ein Loch stürzen. Das Herz rast, du bist auf einmal hellwach. Keine Sorge, damit bist du nicht allein. Zwei Drittel aller Menschen erleben dieses Gefühl immer wieder.

Hypnic Jerk

Das Phänomen nennt sich Hypnic Jerk, auf Deutsch "Einschlafzuckung" oder fachsprachlich Einschlafmyoklonie. Es handelt sich dabei um plötzliche Muskelzuckungen, die einzelne Muskeln oder sogar ganze Muskelgruppen betreffen können. Dazu gibt es auch eine Studie der Universität Bologna aus dem Jahr 2016. Die Forscher fanden heraus: Diese Zuckungen kommen bei allen Altersgruppen vor – egal ob Frau oder Mann.

Doch was steckt dahinter? Darüber ist sich die Wissenschaft bislang nicht ganz einig. Eine weitverbreitete Theorie: Beim Einschlafen werden die Gehirnwellen langsamer, der Körper entspannt sich. Das motorische Zentrum im Hirn deutet dieses Loslassen manchmal fälschlicherweise als Sturz und löst eine Schreckreaktion aus – als würde es dich vor einem Aufprall schützen wollen.

Das Hirn schlägt Alarm – und du bist wieder munter

Pascal Grosse, Oberarzt und Leiter der Neurologischen Schlafmedizin an der Charité in Berlin, erklärt gegenüber der Onlineseite "Dasgehirn": "Unser Hirn reorganisiert sich beim Übergang vom Wachen zum Schlafen. Dieser Übergang ist besonders anfällig für diese Zuckungen." Eine mögliche Erklärung sieht er in der sogenannten Formatio reticularis. Dieser Bereich im Hirnstamm hängt mit dem Wachheitssystem, der Motorik und dem Schrecksystem zusammen. Die Einschlafzuckung könnte also eine automatische Schreckreaktion sein.

Warum fühlt es sich wie ein Sturz an?

Spannend ist: Oft werden diese Zuckungen von traumähnlichen Bildern begleitet. Du träumst vielleicht, dass du stolperst – und dein Körper reagiert prompt. Der Psychologe Tom Stafford von der University of Sheffield beschreibt das gegenüber der BBC als sogenannte Traumeinbildung. Dein Hirn bastelt sich aus der Zuckung eine passende Geschichte, etwa einen Sturz. "Im Traum sind die Bereiche für Planung und Voraussicht unterdrückt. Das Gehirn reagiert kreativ auf das, was gerade passiert", erklärt Stafford. "Ähnlich wie ein Jazzmusiker, der sich von seinen Mitspielern inspirieren lässt."

Grosse bringt noch eine weitere Theorie ins Spiel: Das Fallgefühl könnte auch vom Gleichgewichtssystem kommen. Bewiesen ist das zwar nicht, aber es würde zumindest aus körperlicher Sicht Sinn machen.

Wann wird es problematisch?

Auch wenn sie unangenehm sein können: In den meisten Fällen sind sogenannte Einschlafzuckungen völlig harmlos. Es gibt jedoch eine seltene Variante – das sogenannte "Exploding Head Syndrome".

Dabei hören Betroffene beim Einschlafen plötzlich extrem laute Geräusche oder nehmen grelle Lichtblitze wahr. "Diese Episoden können zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig Mal hintereinander auftreten", erklärt Experte Grosse. Für die Betroffenen bedeutet das oft, dass sie erst nach Stunden wirklich einschlafen können. In solchen Fällen kann eine Behandlung sinnvoll sein. Eine gezielte Therapie gibt es zwar nicht. Häufig helfen jedoch Aufklärung über das Phänomen sowie Maßnahmen zum Stressabbau.

Was kannst du dagegen tun?

Ein Wundermittel gegen das plötzliche Fallen gibt es leider nicht. Aber alles, was deiner Schlafhygiene guttut, kann helfen. Dazu zählt eine fixe Schlafenszeit, Entspannung wie Meditation vor dem Schlafen, weniger Kaffee und Alkohol und kein intensiver Sport kurz vor dem Zubettgehen. Wer raucht, ist übrigens öfter betroffen. Auch solltest du die Zeit vor dem Bildschirm am Abend reduzieren. Denn Stress und zu wenig Schlaf zählen zu den wichtigsten Auslösern für Einschlafzuckungen.
Also: Keine Panik, wenn du heute Nacht wieder zusammenzuckst. Dein Gehirn probt nur kurz den Notfall. Das ist in den allermeisten Fällen völlig normal.

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