Die AfD sorgt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für ein politisches Beben. Nach der aktuellen ARD-Hochrechnung kommt die Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf 44,4 Prozent. Die CDU liegt mit 18,4 Prozent weit abgeschlagen dahinter.
Damit steht der Wahlsieger fest. Eine entscheidende Frage ist am Sonntagabend aber noch offen: Reicht es für die AfD auch zur absoluten Mehrheit der Mandate?
Genau das hängt von den weiteren Hochrechnungen und auch davon ab, welche kleineren Parteien tatsächlich den Einzug in den Landtag schaffen. Besonders knapp ist es beim BSW, das derzeit bei genau 5,0 Prozent liegt. Schon kleine Verschiebungen könnten damit Auswirkungen auf die Sitzverteilung haben.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sieht jedenfalls einen klaren Regierungsauftrag. "Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben", erklärte er nach Bekanntwerden der ersten Zahlen.
Vor der Wahl hatte Siegmund angekündigt, nur mit einer absoluten Mehrheit regieren zu wollen. Am Wahlabend streckte er dennoch die Hand nach anderen politischen Kräften aus. Für Machtoptionen werde er allerdings die eigenen Werte nicht verbiegen.
Besonders interessant ist dabei die Reaktion des BSW. Spitzenkandidatin Claudia Wittig zeigte sich grundsätzlich bereit, in einzelnen Fragen mit der AfD zusammenzuarbeiten. Als Beispiel nannte sie die Energiepolitik. Eine Partei mit einem derart starken Wahlergebnis völlig auszuschließen, sieht Wittig kritisch.
Jubel gibt es unterdessen auch in Österreich. FPÖ-Chef Herbert Kickl gratulierte der deutschen Schwesterpartei und Siegmund am Sonntagabend zum Wahlsieg. Kickl spricht von einem "demokratischen Machtwort des Souveräns, das weit über Deutschland hinaus zu spüren ist". Für den Freiheitlichen ist das Ergebnis zugleich eine Kampfansage an die anderen Parteien.
"Die Wähler haben heute nicht nur die AfD gewählt, sondern vor allem auch die versammelte Front der Systemparteien abgewählt", erklärte Kickl. Die sogenannte Brandmauer gegen die AfD sei von den Wählern "eingerissen" worden. "Die Menschen holen sich ihr Land und ihre Heimat zurück! Die patriotische Wende in Deutschland, getragen von den Bürgern, nimmt mit der AfD immer mehr an Fahrt auf und wird letztlich mit einer Bundeskanzlerin Alice Weidel ihren endgültigen Durchbruch erzielen", ist sich Kickl sicher.
Der FPÖ-Chef zieht dabei auch Parallelen zu Österreich. Er sieht durch den AfD-Erfolg eine politische Entwicklung bestätigt, die seiner Ansicht nach auch hierzulande stattfindet. Die "patriotische Wende" in Deutschland und Österreich sei nicht mehr aufzuhalten, erklärte Kickl.
"So wie heute in Deutschland die unselige Brandmauer der Ausgrenzung von den Wählern eine Abfuhr erhalten hat, so wird auch die 'Verlierer-Ampel' als ihr österreichisches Pendant spätestens bei der nächsten Wahl von den Wählern ins politische Abseits befördert werden. Die Zeit der Patrioten und des Systemwechsels ist gekommen!"
Ganz anders fällt naturgemäß die Reaktion bei den deutschen Sozialdemokraten aus. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnete das starke Abschneiden der AfD als "wirklich dramatisches Ergebnis".
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident und CDU-Chef Sven Schulze räumte unterdessen seine Niederlage ein und gratulierte der AfD zum Wahlsieg. "Ich sage, das ist Demokratie", erklärte Schulze. Die Menschen hätten ein Zeichen gesetzt, mit dem nun umgegangen werden müsse.
Wie es politisch weitergeht, dürfte erst im Laufe des Abends klarer werden. Die AfD steht als großer Sieger fest – ob Siegmund tatsächlich ohne Partner regieren könnte, aber noch nicht.