Sie wirkt unscheinbar, doch beherrscht eine Fähigkeit, um die sie selbst Pflanzen beneiden könnten: Die sogenannte Lichtfresser-Schnecke ernährt sich teilweise von Sonnenlicht. Was wie Science-Fiction klingt, ist tatsächlich ein erstaunlicher Trick der Natur.
Gemeint ist die Meeresschnecke "Elysia chlorotica", die an der Ostküste Nordamerikas lebt. Das grün gefärbte Tier frisst in den ersten Lebenswochen Algen – und stiehlt ihnen dabei buchstäblich ihre "Solarkraft". Die Schnecke übernimmt die winzigen Chloroplasten, also jene Zellbestandteile, die Pflanzen und Algen für die Fotosynthese benötigen.
Obwohl die smaragdgrüne Meeresschnecke in der Sonne fast zu leuchten scheint, erzeugt sie kein eigenes Licht. Ihre intensive Farbe stammt von den Chloroplasten der Algen, die sie in ihren Körper einlagert und wie winzige Solarkraftwerke nutzt.
Das Besondere: Statt die Chloroplasten zu verdauen, lagert die Meeresschnecke sie in ihren eigenen Zellen ein. Dort bleiben sie erstaunlich lange funktionsfähig und produzieren mithilfe von Sonnenlicht weiterhin Zucker und Energie. Wissenschaftler sprechen von Kleptoplastie – also dem "Diebstahl" von Chloroplasten.
Hat die Schnecke genügend dieser kleinen Sonnenkraftwerke gesammelt, kann sie wochen- oder sogar monatelang mit nur wenig zusätzlicher Nahrung auskommen. Sonnenlicht wird für sie gewissermaßen zum Energiesnack. Ganz ohne Fressen kommt sie allerdings nicht aus: Vor allem zu Beginn ihres Lebens muss sie Algen aufnehmen, um überhaupt an die lebenswichtigen Chloroplasten zu gelangen.
Die ungewöhnliche Strategie macht die süße Schnecke zu einem der faszinierendsten Tiere der Meere. Lange Zeit rätselten Forscher, wie es der Schnecke gelingt, die empfindlichen Chloroplasten am Leben zu erhalten. Bis heute gilt das Tier als außergewöhnliches Beispiel dafür, wie eng die Grenzen zwischen Tier- und Pflanzenwelt manchmal verschwimmen können.
Auch wenn der Spitzname "Lichtfresser-Schnecke" etwas übertrieben klingt, beschreibt er das Phänomen erstaunlich gut: Das kleine Meerestier nutzt tatsächlich die Kraft der Sonne, um einen Teil seines Energiebedarfs zu decken – ein Talent, das im Tierreich nahezu einzigartig ist.