Was einst als berührende Tierschutzgeschichte begann, ist heute ein Gewinn für die Natur: Die Zwillingskälber Ferdinand und Pauline, die nach ihrer Geburt mit der Flasche aufgezogen werden mussten, haben im Gebiet rund um den Neusiedler See eine neue Aufgabe gefunden. Als natürliche Landschaftspfleger tragen sie dazu bei, wertvolle Lebensräume für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.
Vor allem Ferdinand hatte keinen einfachen Start ins Leben. Gemeinsam mit seiner Schwester erhielt er nach der Geburt mehrere Chancen – und fand schließlich ein Zuhause, das nicht nur den beiden Kälbern ein sicheres Leben ermöglicht, sondern gleichzeitig dem Naturschutz dient. Aus geretteten Tieren wurden so selbst kleine Helden für die Artenvielfalt.
Auf den Weideflächen in Apetlon sorgen Ferdinand und Pauline mit ihrem natürlichen Fressverhalten dafür, dass Wiesen offen bleiben. Durch ihre Trittspuren entstehen kleine freie Bodenstellen, während unterschiedlich hohe Grasflächen wertvolle Lebensräume schaffen. Davon profitieren unter anderem Ziesel, Kiebitze, Uferschnepfen und andere gefährdete Bodenbrüter. Auch seltene Pflanzen wie verschiedene Orchideenarten sowie zahlreiche Insekten finden hier bessere Lebensbedingungen.
Ohne die regelmäßige Beweidung würden die offenen Wiesen und Lacken nach und nach verbuschen und von Schilf überwachsen. Viele der spezialisierten Tier- und Pflanzenarten würden dadurch ihren Lebensraum verlieren.
„Ferdinand und Pauline zeigen eindrucksvoll, wie Tierschutz und Naturschutz Hand in Hand gehen können. Den beiden wurde das Leben gerettet – heute helfen sie selbst dabei, bedrohten Arten eine Zukunft zu sichern“Stephan ScheidlTierheimleiter, Tierschutz Austria
Die extensive Beweidung durch Rinder gilt im Nationalparkgebiet rund um den Neusiedler See mittlerweile als wichtiger Baustein für den Erhalt der Artenvielfalt. Was für Ferdinand und Pauline ganz natürlich ist, schafft genau jene abwechslungsreiche Landschaft, auf die viele seltene Tiere und Pflanzen angewiesen sind.