Forscher schlagen Alarm

"Können uns nicht aus dieser Katastrophe raus-anpassen"

Von Irland bis zum Mittelmeer steigen die Meerestemperaturen massiv. Forschende warnen vor gravierenden Folgen für Tiere, Fischer und Küstenorte.
Newsdesk Heute
22.08.2026, 21:30
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Rund um Europa heizen sich die Meere dramatisch auf. Von den kühleren Gewässern vor Irland bis ins Mittelmeer wurden in diesem Sommer marine Hitzewellen registriert. In manchen Regionen lagen die Meeresoberflächentemperaturen im Juli 2026 mehr als 6 Grad über dem Normalwert.

Die Analyse von World Weather Attribution kommt zu einem klaren Befund: Haupttreiber ist der Klimawandel, vor allem durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe. Untersucht wurden vier Küstenregionen: keltische Gewässer, der Golf von Biskaya samt Iberischer Halbinsel sowie das westliche und östliche Mittelmeer.

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Die Daten zeigen in allen Regionen einen deutlichen Erwärmungstrend. Besonders stark fällt er im Mittelmeer aus: Dort liegt die Erwärmung laut Analyse ungefähr doppelt so hoch wie die globale Erwärmungsrate. Der Klimawandel habe dort bereits rund 2 Grad zusätzliche Erwärmung verursacht. Für die Region Golf von Biskaya/Iberische Halbinsel werden rund 1,4 Grad genannt, für die keltischen Gewässer rund 1,3 Grad.

Anomalien (d. h. Abweichungen vom Normalwert) der Meeresoberflächentemperaturen im Juli 2026 rund um Europa im Vergleich zum klimatologischen Durchschnitt für Juli im Zeitraum 1990–2020.
World Weather Attribution / NOAA

Die Folgen zeigen sich längst in der Natur. Britische Fischer berichten von deutlich mehr Oktopussen, während andere Arten weiter nach Norden in kühlere Gewässer ausweichen. Dadurch geraten Nahrungsketten, Küstenfischerei und Aquakultur unter Druck.

Kettenreaktionen im Meer

Besonders alarmierend ist die Ausdehnung der marinen Hitzewellen. 2026 waren laut Analyse 90 Prozent der Region Golf von Biskaya/Iberische Küste und 80 Prozent des westlichen Mittelmeers betroffen. Ohne die derzeitige menschengemachte Erwärmung von rund 1,4 Grad wären es in beiden Fällen nur etwa 40 Prozent gewesen. Im östlichen Mittelmeer würde der Anteil von 70 auf 9 Prozent fallen, in der keltischen Region von 80 auf 30 Prozent.

Forschende warnen vor Kettenreaktionen im Meer. Extreme Hitze kann Korallen, Schwämme und Makroalgen massiv schädigen. Auch Seevögel und Meeressäuger können betroffen sein, wenn ihre Nahrungsgrundlagen wegbrechen. Für wichtige Fischereien wie Kabeljau, Schellfisch, Makrele, Jakobsmuscheln und Hummer steigt das Risiko schwerer Einbrüche.

14-Tage-Mittelwerte der Meeresoberflächentemperaturen (SST) für jede Region für alle Jahre im NOAA-OISST-Datensatz. Alle Jahre sind grau dargestellt, wobei der klimatologische Mittelwert für 1990–2020 blau, die Temperaturen für 2025 orange und die für 2026 rot dargestellt sind.
World Weather Attribution / NOAA

Viele können nicht entkommen

Claire Bergin von der Maynooth University, Irland, warnt, die Folgen würden an Land oft stärker wahrgenommen als im Wasser: "Die Auswirkungen auf das Meeresleben unter der Oberfläche sind ernster", sagt sie.

"Auch wenn wärmere Gewässer zum Schwimmen für Strandbesucher in kühleren Ländern wie meinem verlockend klingen mögen, sind die Auswirkungen auf das Meeresleben unter der Wasseroberfläche weitaus gravierender." Die Entwicklung könne Ökosysteme, von denen Küstengemeinden für Nahrung und Einkommen abhängen, "vollständig verändern" und auch an Land zu schädlichen Wetterextremen führen.

"Die Meereslebewesen in europäischen Gewässern haben zu kämpfen. Während sich das Verbreitungsgebiet einiger Arten nach Norden verschiebt, können andere einfach nicht entkommen. Wir nähern uns rasch den absoluten biologischen Grenzen der Anpassung vieler Arten", hält John Bruno, Meeresökologe an der University of North Carolina, USA, fest.

Auch Thomas Frölicher von der Universität Bern, Schweiz, sieht eine klare Ursache und warnt: Europas Meere erlebten einen "alarmierenden Temperaturanstieg", der durch den Klimawandel und besonders durch das weitere Verbrennen fossiler Brennstoffe angetrieben werde. "Jede zusätzliche Tonne Kohlenstoff, die wir ausstoßen, treibt die Temperaturen und Ökosysteme an den Küsten Europas in unbekanntes Terrain."

Der Preis, den wir zahlen

"Indem wir den unvermeidlichen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hinauszögern, treiben wir viele Meeresökosysteme näher an den Rand des Aussterbens", konstatiert Friederike Otto, Professorin für Klimawissenschaft am Imperial College London, Großbritannien.

Die Botschaft der Forscher ist mehr als deutlich: Europas Küstengewässer erwärmen sich schneller, als ihre Ökosysteme mithalten können. "Wir können uns nicht einfach aus dieser Situation heraus-anpassen. [...] Je länger wir mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen warten, desto höher ist der Preis. Ein Preis, den nicht die Reichen zahlen", schließt Otto.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.08.2026, 21:30