Österreichs Zeitungen und private TV-Kanäle stecken in einer existenzbedrohenden Krise. Beinahe Tag für Tag müssen neue Sparprogramme verabschiedet, viele Kollegen beim AMS angemeldet werden.
Medienminister Andreas Babler blieb versprochene Reformen und Förderprogramme bisher schuldig. Die neue Regierung verschärfte die Krise sogar, kürzte die öffentlichen Werbebuchungen im ersten Halbjahr um satte 80 Prozent. Viele etablierte Häuser stürzte das in die Krise – Neos-Klubobmann Shetty feierte die Reduktion auf Insta ab.
Weniger erfolgreich war die pinke Eingreiftruppe bei der Parteienförderung. Sie blieb unangetastet. Aus diesem Topf finanzieren Bablers Rote nun – wie auch die FPÖ – ihr Partei-TV. "SPÖeins" (bisher 390 Abonnenten) soll am Sonntag on air gehen. Erste Testläufe und Aufnahmen fanden bereits beim Themenrat im Wiener MuseumsQuartier statt.
Auf "Heute"-Anfrage hielt eine Parteisprecherin fest, dass die SPÖ ihre Öffentlichkeitsarbeit professionalisiere. Man nütze dafür "zeitgemäße Formate, um Menschen direkt zu erreichen". Dann setzt es einen Seitenhieb gegen die Blauen, die bereits seit Jahren ihr FPÖ-TV betreiben: "Wir halten es für demokratiepolitisch notwendig, dass die Sozialdemokratie auch auf jener Plattform präsent ist, die in Österreich zu den reichweitenstärksten und beliebtesten zählt – insbesondere bei jungen Menschen. YouTube ist kein Ort, den man rechtsradikalen oder populistischen Kräften überlassen darf. Es ist höchste Zeit, dass dort auch sozialdemokratische Perspektiven sichtbar und hörbar werden."
Man werde "weiterhin Interviews geben, Fragen beantworten und uns mit kritischem Journalismus auseinandersetzen", hielt die Sprecherin fest. Nachsatz: "Gleichzeitig nutzen wir die Möglichkeiten, die digitale Kanäle bieten, um unabhängig und direkt mit Menschen zu kommunizieren."
Die Roten setzen "auf digital first", es werde "weniger Printprodukte geben. Die Kosten für das neue Lieblingsprojekt von Parteichef Babler bleiben streng geheim: "In den letzten Monaten wurde Equipment wie eine Kamera, Lichter und Mikrofone angeschafft. Das Team besteht aus 3 FTEs, die in der Digitalen Kommunikation angesiedelt sind."
Alle Hintergründe auf ServusTV
ServusTV widmet dem roten Abspielkanal eine eigene Sendung. Unter dem Titel "SPÖ startet Online-TV-Kanal: Parteipropaganda oder Information?" gibt es die komplette OGM-Umfrage zu "SPÖeins" in "BLICKWECHSEL. Das Nachrichtenmagazin" – am Donnerstag, den 23.10., live ab 21.15 Uhr bei ServusTV.
Die Österreicher zeigen sich indes skeptisch. In einer aktuellen OGM-Umfrage im Auftrag von ServusTV halten es lediglich drei Prozent (!) der Befragten für "sehr wahrscheinlich, dass ich mir das öfter anschauen werde". Weitere acht Prozent wollen sich "SPÖeins" "aus Neugierde einmal oder ab und zu anschauen". 57 Prozent sagen hingegen: "Sicher nicht!"
Dass Parteien wie FPÖ und SPÖ eigene TV-Kanäle betreiben, begrüßen 15 Prozent. 37 Prozent halten es für legitim, "wenn klar erkennbar ist, dass es sich um Parteipropaganda handelt". Laut Servus TV stufen es 64 Prozent der Menschen aber als problematisch ein, wenn Steuergeld für Parteimedien verwendet werden.