Die Stadt Wien will mit der "Auszeit-WG" auf besonders junge Intensivtäter – teils mit hunderten Straftaten – reagieren. In der Einrichtung sollen Kinder zwischen elf und 13 Jahren betreut werden, die wiederholt schwere Delikte wie Raub, Einbrüche oder Gewaltverbrechen begangen haben.
Geplant ist ein Aufenthalt von bis zu zwölf Wochen. Untergebracht werden die Kinder in einem adaptierten 140 Quadratmeter großen Haus in Simmering 1.500 Quadratmeter Garten. Eigentlich hätte die Einrichtung bereits Anfang April starten sollen. Danach wurde Mai als neuer Termin genannt. Doch auch dieser Zeitplan hält nicht.
"Die Auszeit-WG ist derzeit noch nicht in Betrieb. Aktuell laufen noch letzte Adaptierungsarbeiten sowie Umbauten im Bereich der Fluchtwegstüren, um sämtliche brandschutzrechtlichen Anforderungen zu erfüllen", heißt es auf "Heute"-Anfrage seitens der MA 11 (Kinder- und Jugendhilfe).
Im Anschluss daran erfolge zeitnah das erforderliche Bewilligungsverfahren, das auf Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen für den Betrieb einer derartigen Einrichtung vorgesehen ist: "Nach Durchführung der Ortsaugenscheinsverhandlung kann schließlich die Betriebsbewilligung erteilt werden. Mit deren Erteilung rechnen wir derzeit Mitte Juni", wird weiter erklärt.
In der WG sollen zunächst zwei Kinder untergebracht werden. Securitys oder Überwachungskameras wird es nicht geben. "Die Fenster und die Türen sind bruchsicher, das Personal vor Ort ist in Deeskalations- und Festhaltetechniken sowie Selbstverteidigung gut geschult. Zusätzlich haben sie auch Alarmknöpfe", erklärte der Abteilungsleiter der Kinder- und Jugendhilfe, Johannes Köhler, Mitte April im Rahmen einer Pressekonferenz.
Vor Ort sollen rund um die Uhr Sozialpädagogen arbeiten. Zusätzlich kümmern sich Heilstättenlehrer, Freizeitpädagogen, Psychiater sowie Psycho- und Ergotherapeuten um die Kinder. "Es gibt dort einen sehr strikten Tagesablauf", so Köhler.
Geplant ist außerdem ein Stufenmodell. Anfangs bleiben die Kinder ausschließlich im Haus. Später sind begleitete Ausgänge in den Garten möglich, danach auch kurze selbstständige Ausgänge. Ein Entkommen könne nicht ausgeschlossen werden, räumt Köhler ein: "Wenn ein Kind flüchtet, dann rufen wir die Polizei und es kommt wieder in die WG."
Welche Kinder tatsächlich in die Einrichtung kommen, entscheidet eine Kommission aus sozialpädagogischen Fachkräften und Polizei. Anschließend prüft ein Gericht die Maßnahme. Die Kinder werden nach dem Heimaufenthaltsgesetz untergebracht. Voraussetzung dafür sind unter anderem eine psychische Erkrankung, Selbst- oder Fremdgefährdung sowie das Fehlen eines gelinderen Mittels.
Die jährlichen Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich laut Stadt auf rund 800.000 Euro. Darin enthalten sind Personal, Betreuung und das gepachtete Haus. Innerhalb eines Jahres sollen acht bis 16 Intensivtäter betreut werden.
Die "Auszeit-WG" sorgte bereits im Vorfeld für heftige Diskussionen. Kritik kam unter anderem von Grünen, FPÖ und dem Vertretungsnetz. Auch Volksanwalt Bernhard Achitz (SPÖ) äußerte Bedenken. Die Einrichtung sei "schon eher fraglich", das Kindeswohl müsse jedenfalls im Mittelpunkt stehen.
Jugend-Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) verteidigt das Projekt weiterhin klar: "Wir haben keine Zeit zu warten und wollten es auch nicht mehr. Für uns ist die 'Auszeit-WG' die schärfste und letzte Konsequenz, die Ultima Ratio sozusagen."