Während harte Drogen verboten sind und auch Tabakwerbung untersagt ist, wird in Wien für ein Pulver plakatiert, das im Gehirn ähnlich wirkt wie ein Opiat. Kratom – eine psychoaktive Substanz mit Suchtpotenzial.
Große Plakate, klare Werbesprüche, Rabattcodes. Das Produkt wird offen angepriesen. Dabei wirken die Inhaltsstoffe an "Opioid-Rezeptoren" – also an jene Stellen im Gehirn, die auch bei starken Schmerzmitteln und Drogen eine Rolle spielen. Fachleute sprechen von einer opioidartig wirkenden Substanz. Wer sie regelmäßig konsumiert, kann abhängig werden.
Eine 25-Jährige, die früher opioidsüchtig war, schildert gegenüber "Heute" ihre Erfahrungen – und warnt. "Am Anfang glaubst du, es ist harmlos", sagt sie. "Du denkst, du hast alles im Griff."
Doch es sei schleichend mehr geworden. "Irgendwann brauchst du es jeden Tag." Die gleiche Menge habe nicht mehr gereicht. "Du nimmst mehr, nur um dich normal zu fühlen." Genau dieser Punkt sei gefährlich: "Man rutscht schneller rein, als man denkt."
Wie stark ein Entzug verläuft, ist unterschiedlich. Er hängt unter anderem davon ab, wie viel und wie lange konsumiert wurde, vom Alter, vom Gesundheitszustand und auch von der persönlichen Situation. Erfahrungsgemäß gelten die Beschwerden bei Kratom als meist schwächer ausgeprägt als bei anderen Opioiden, sie können aber dennoch belastend sein und dauern oft mehrere Tage.
Der Hauptteil des Entzugs kann etwa drei Tage dauern. In dieser Zeit sind starkes Schwitzen – besonders nachts –, Frösteln, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, schneller Puls, erhöhter Blutdruck oder Durchfall möglich. Dazu kommen psychische Symptome wie Angst, innere Unruhe, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen und starkes Verlangen nach dem Stoff. Ab dem vierten Tag beginnt meist eine Erholungsphase, doch Erschöpfung und leichte Beschwerden können noch anhalten.
Auf dem Plakat ist zudem der Schriftzug "Coco Taxi" zu sehen – durchgestrichen und mit grünem Blatt ergänzt. Der Name erinnert an das sogenannte "Kokstaxi", gegen das Ermittler vor nicht allzu langer Zeit vorgegangen sind.
Hilfe bei Sucht – hier bekommst du Unterstützung
Wer das Gefühl hat, die Kontrolle über den Konsum zu verlieren, sollte nicht alleine bleiben. In Wien und ganz Österreich gibt es kostenlose und vertrauliche Hilfeangebote.
Sucht- und Drogenhotline Wien
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Ob es sich dabei um eine humoristische Anspielung oder eine bewusste Provokation handelt, ist unklar. Kritiker halten es jedenfalls für bedenklich, mit Begriffen zu spielen, die in der Öffentlichkeit mit Drogenhandel in Verbindung gebracht werden. Die Werbung inszeniert sich damit auffällig nahe an einem bekannten Drogennamen – wenn auch offenbar ironisch gebrochen.
Kratom wird aus den Blättern des südostasiatischen Baumes Mitragyna speciosa gewonnen. In kleinen Mengen wirkt es anregend, in höheren beruhigend und teils schmerzstillend. Genau diese Wirkung hängt mit dem Einfluss auf das Opioid-System im Gehirn zusammen.
In Österreich fällt Kratom derzeit nicht unter das Suchtmittelgesetz. Es wird meist als "Räucherware" oder "Aromaprodukt" verkauft und ist offiziell nicht zur Einnahme bestimmt. In vielen CBD- und Kräutershops wird es jedoch mit Sortenbezeichnungen und Wirkungsbeschreibungen präsentiert, was den Eindruck eines Konsumprodukts vermittelt. Kritiker sehen darin eine rechtliche Grauzone.