Alltag in einer Brennpunktschule in Wien: Lehrerin Caroline W. (Name der Redaktion bekannt) hat 25 Kinder in ihrer dritten Volksschulklasse, "keiner von ihnen hat Deutsch als Muttersprache, obwohl die Hälfte in Wien geboren ist", sagt sie zu "Heute".
In dreieinhalb Wochen endet das Schuljahr, danach tritt ein neues Gesetz in Kraft: Für alle Mädchen bis zum vollendeten 14. Lebensjahr gilt in der Schule ein Kopftuchverbot. Es sorgt schon jetzt für Unruhe im Haus.
"Ich habe zwei Mädchen, die mit Kopftuch in der Klasse sitzen", sagt die 24-jährige Pädagogin, "die sind sehr gestresst deswegen, sie fühlen sich unsicher."
Ein Vater kündigte gegenüber der Lehrerin an, wenn das Verbot wirklich umgesetzt werde, will er mit der Familie zurück nach Syrien ziehen: "Ich habe ihm erklärt, das hat die Politik entschieden, die Schule hat damit nichts zu tun, er war wirklich wütend."
Für Probleme wird die Umsetzung sorgen, befürchtet Caroline: "Die Mädchen sind verängstigt, ihnen wird etwas genommen, zu dem sie ihre Eltern bis jetzt gezwungen haben."
Kopftuchverbot an Schulen – das musst du wissen:
Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt an Schulen ein Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 Jahren. Bei Verstößen ist der Ablauf klar geregelt: Zunächst muss die Lehrperson die Schülerin auffordern, das Kopftuch abzunehmen. Kommt sie dem nach, ist die Sache erledigt. Weigert sie sich, wird die Schulleitung eingeschaltet. In einem Gespräch mit der Schülerin und ihren Eltern informiert die Direktion über das Verbot und mögliche Konsequenzen.
Bleibt es nicht beim Einzelfall, wird die Bildungsdirektion aktiv. Dort müssen Schülerin und Eltern zu einem verpflichtenden Termin erscheinen. Thema ist dann auch die Verantwortung der Eltern, das Gesetz einzuhalten. Zeigt auch das keine Wirkung, folgt eine Anzeige bei der zuständigen Behörde. Eltern drohen Geldstrafen zwischen 150 und 800 Euro.
Die Buben in der Schule – hier lernen einige Hundert Kinder, weniger als zehn kommen aus einem deutschsprachigen Haushalt – finden Mädchen mit traditioneller Bekleidung attraktiv, erklärt Caroline: "Die bewundern die größeren Mädchen aus der Mittelschule, schreien ihnen nach, wie cool sie ihre Kopftücher finden."
Unverhüllte Schülerinnen müssen leiden: "Mädchen ohne Kopftuch werden von den Buben schikaniert und gehänselt." Sie werden belästigt, es wird den Mädchen wiederholt gesagt, dass sie ihre Haare bedecken sollen. "Aber bei mir in der Klasse lasse ich das nicht zu", sagt die Lehrerin ernst.
Caroline findet, das Verbot an sich richtig, aber viel bewirken werde es wohl nicht: "Die Mädchen bekommen deswegen nicht mehr Freiheit – die Eltern ändern sich nicht, werden im schlimmsten Fall vielleicht bei anderen Sachen noch mehr Druck ausüben."
Zum Schluss sagt Lehrerin Caroline noch: "Außerhalb der Schule machen die Mädchen sowieso was die Eltern verlangen – das wird sich so schnell nicht ändern."