AMS schlägt Alarm

Lehrstellen-Krise – 5.000 Wiener suchen, nur 500 Jobs

Die Suche nach einer Lehrstelle wird immer schwieriger. Rund 5.000 Lehrstellensuchenden stehen derzeit nur etwa 500 offene Stellen gegenüber.
Wien Heute
13.09.2026, 20:10
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Das neue Schuljahr hat begonnen – und für viele Jugendliche startet damit auch der Weg ins Berufsleben. Doch wer in Wien eine Lehre beginnen möchte, hat es derzeit alles andere als leicht.

Rund 5.000 gemeldeten Lehrstellensuchenden stehen aktuell nur etwa 500 offene Lehrstellen gegenüber, erklärte Andreas Kuen vom AMS gegenüber "Wien heute". Damit kommen rechnerisch rund zehn Suchende auf eine gemeldete offene Stelle.

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Im Juni noch 1.794 offene Lehrstellen

Schon im Sommer hatte das AMS gegenüber "Heute" vor einer wachsenden Lehrstellenlücke gewarnt. Im Juni 2026 waren in Wien 6.104 Jugendliche auf Lehrstellensuche. Im Juni 2023 waren es noch 4.440 gewesen – ein Anstieg um rund 37 Prozent innerhalb von drei Jahren.

Gleichzeitig ging das Angebot zurück. Im Juni 2023 waren beim AMS noch 2.346 offene Lehrstellen gemeldet, im Juni 2026 waren es 1.794. Die nun genannten rund 500 Stellen zeigen, dass sich die Situation nach dem Start des neuen Ausbildungsjahres weiter zugespitzt hat.

AMS fordert mehr Engagement der Unternehmen

AMS-Wien-Chef Winfried Göschl hatte bereits im Juli gegenüber "Heute" gewarnt: "Wir haben einen starken Rückgang bei Lehrstellen in den vergangenen Jahren, bei gleichzeitig mehr Lehrstellensuchenden. Hier lassen wir leider viel Potenzial liegen."

Das AMS fordert deshalb mehr Engagement der Wiener Unternehmen. "Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass Unternehmen wieder mehr ausbilden. Viele Fachkräfte werden in den kommenden Jahren ausscheiden, und um sie zu ersetzen, muss jetzt mit der Ausbildung von Jungen begonnen werden", so Göschl.

Mehr als 200 Lehrberufe stehen zur Auswahl

Die Wirtschaftskammer Wien sieht allerdings auch ein Problem auf der anderen Seite: Die Anforderungen seien in sämtlichen Lehrberufen zuletzt stark gestiegen. Für Betriebe sei es dadurch schwieriger geworden, geeignete Lehrlinge zu finden.

Dabei ist die Auswahl groß: Mehr als 200 Lehrberufe stehen zur Verfügung. Besonders viele offene Stellen gibt es laut AMS derzeit im Einzelhandel, in der Gastronomie sowie in der Installations- und Wärmetechnik.

Schule vermittelt 60 Prozent direkt in Lehre

Wie wichtig eine frühzeitige Berufsorientierung sein kann, zeigt die Polytechnische und Fachmittelschule Maiselgasse in Wien-Landstraße. Rund 300 Schüler absolvieren dort ihr letztes Pflichtschuljahr. Viele wollen anschließend eine Lehre beginnen.

Jugendcoaches kommen mehrmals pro Woche an die Schule und unterstützen die Jugendlichen bei der Berufswahl und Lehrstellensuche. Direktorin Irene Ditrich zieht eine positive Bilanz: "Wir vermitteln zirca 60 Prozent unserer Schüler am ersten Arbeitsmarkt, das heißt sofort mit einer Lehrstelle. Dann haben wir ungefähr 20 Prozent, die in eine Schule weiter gehen". Für die übrigen rund 20 Prozent, die nach der Pflichtschule noch keine konkrete Perspektive haben, ist das U25-Servicezentrum des AMS eine wichtige Anlaufstelle.

AK will mehr Ausbildungsplätze

Auch die Arbeiterkammer Wien fordert die Unternehmen auf, mehr Ausbildungsplätze anzubieten. AK-Wien-Präsidentin Renate Anderl hatte bereits im Sommer gewarnt: "Die Fachkräfte, die die Betriebe dringend benötigen, wachsen nicht auf den Bäumen. Es braucht ein Umdenken und mehr Engagement bei der Ausbildung. Die Perspektiven für junge Menschen sind entscheidend – sie sind die Fachkräfte der Zukunft, wir dürfen sie keinesfalls zurücklassen".

Für Jugendliche, die trotz Suche keinen Platz in einem Betrieb finden, bleibt unter anderem die überbetriebliche Lehrausbildung. Ziel ist dennoch eine reguläre Lehrstelle in einem Unternehmen – und davon gibt es in Wien derzeit deutlich zu wenige.

red,13.09.2026, 20:10