Wie der lettische Grenzschutzchef Guntis Pujats in einer Radiosendung betonte, sieht sich Lettland in letzter Zeit vermehrt mit illegalen Grenzübertritten aus Belarus konfrontiert. Rund 7600 Migranten habe man alleine dieses Jahr von der Überschreitung der Grenze abgehalten. Der Ostsee-Staat beschuldigt den weißrussischen Machthaber Lukaschenko, damit eine gezielt pro-russische Strategie zu verfolgen.
"Die Lage ist seit April ziemlich angespannt und kompliziert", sagte Pujats. Und weiter: "Lettland ist derzeit eindeutig das Hauptzielland". Wie NTV berichtet, versuchen an manchen Tagen mehr als 200 Personen illegal nach Lettland zu gelangen. In den Nachbarländern sind die Zahlen laut offiziellen Angaben viel niedriger: In Litauen wurden heuer insgesamt 900 Migranten aufgehalten, in Polen gab es zuletzt nur noch wenige Versuche.
Dazu kommt, dass die Situation an der Grenze immer angespannter wird. "Wir müssen spezielle Ausrüstung, Waffen und Warnschüsse einsetzen, um illegale Grenzübertritte zu verhindern. Grenzübertreter haben ein Fahrzeug des Grenzschutzes gerammt, und auch Grenzbeamte wurden bei der Verfolgung der Grenzübertreter in Unfälle verwickelt", sagte der Grenzschutzchef Pujats. Auch die Zahl der Schleuser ist gestiegen. Viele der Migranten, die über Belarus in die EU wollen, haben Deutschland als Ziel.
Lettland grenzt im Osten auf etwa 172 Kilometern an Belarus, den engen Verbündeten von Russland. Der Ostseestaat wirft – wie auch Polen und Litauen – dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, gezielt Migranten an die EU-Außengrenze zu bringen. Diese sogenannte "hybride Kriegsführung" soll Druck auf den Westen ausüben. Alle drei Länder haben daher die Grenze besser abgesichert, Zäune errichtet und die Kontrollen verschärft.
Pujats gibt zu, dass nicht alle Versuche verhindert werden können und etwa 10 Prozent der Grenzübertreter nicht an der Grenze gestoppt werden. Das macht weitere Ermittlungen innerhalb Lettlands und eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarländern notwendig. Der Grenzschutzchef fordert außerdem mehr Unterstützung durch das Militär.