Nicht nur in Griechenland wird derzeit über strengere Regeln zum Schutz der Strände diskutiert. Auch Formentera, das gemeinsam mit Mallorca und Ibiza zu den Balearen gehört, setzt jetzt vermehrt auf Ruhe und Natur am Meer. An gleich mehreren beliebten Stränden dürften künftig deutlich weniger Liegen und Sonnenschirme erlaubt sein.
Im Gegensatz zu den Partyinseln Ibiza und Mallorca ist Formentera vor allem für seine entspannte Atmosphäre bekannt. Wer hierher kommt, sucht Erholung – und wird sie auch finden. Es gibt keinen Flughafen, erreichbar ist die Insel nur per Fähre. Das Meer rund um Formentera gilt als eines der klarsten der Welt. Grund dafür sind die riesigen Neptungraswiesen (Posidonia), die wie ein natürlicher Filter wirken.
Damit das auch so bleibt, hat die Küstenbehörde der Balearenregierung jetzt neue Einschränkungen angekündigt. Laut dem spanischen Onlineportal "Canal 4 Diario" wird die Zahl der Liegen und Schirme heuer drastisch reduziert. Nur noch 1.169 Liegestühle und 589 Sonnenschirme sind erlaubt – ganze 36 Prozent weniger, als ursprünglich vom Consell de Formentera, der Inselregierung, beantragt worden war.
Betroffen sind laut "Canal 4 Diario" viele bekannte Strände: Ses Illetes, Cavall d’en Borràs, Llevant, Es Pujols, Es Copinyar und Migjorn. Doch nicht nur Liegen und Schirme werden weniger – auch bei der Verpflegung wird gespart. Die beliebten Strandbars und Kioske, die sogenannten Chiringuitos, dürfen zwar bleiben, müssen aber mit weniger Platz und weniger Lagerfläche auskommen. Diese neuen Regeln gelten vorerst bis 2029.
Die Inselregierung von Formentera sieht die Maßnahmen als "zu streng" an. Im April wurden neue Anforderungen eingeführt, etwa zu Umweltberichten, Abständen zum Meer und freien Flächen zwischen den Installationen. Der Consell betont: Der Schutz der Küste ist wichtig, aber er muss mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Insel vereinbar bleiben, wie das Nachrichtenportal "Formentera Avui" berichtet.
Die neuen Vorschriften kommen mitten in der Vorbereitung auf die Hochsaison, für die viele Betriebe bereits Verträge abgeschlossen und Personal eingeplant haben. Hotel- und Wirtschaftsverbände schlagen Alarm: Sie fürchten um Arbeitsplätze und das Image Formenteras als exklusives Reiseziel. Laut "Cadena SER" – Spaniens ältestem und meistgehörtem Radiosender – verweist die Küstenbehörde auf den Schutz der Umwelt, mehr freie Strände und weniger Belastung für Dünen und Neptungras.