"Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität", schrieb Linke-Politiker Ferat Koçak. Gleichzeitig müsse er eingestehen: "Ich habe einen Fehler gemacht. Im Umgang mit meinem Kontakt zur Familie Remmo bin ich meinem Selbstverständnis nicht gerecht geworden. Ich war in der konkreten Situation naiv und mit der Situation überfordert. Dafür übernehme ich Verantwortung."
Koçak geriet nach der Wahl ins Berliner Abgeordnetenhaus ordentlich unter Druck. Grund dafür war, dass er zu Jahresbeginn freundschaftliche Chatnachrichten mit Firas Remmo ausgetauscht hatte. Dieser ist der Sohn einer Großfamilie, die dem Clan-Milieu zugeordnet wird. Wie Koçak im Gespräch mit der "Zeit" erklärte, dass er bei den Chats anfangs gar nicht wusste, dass es sich um den Sohn von Issa Remmo handelt.
Das sei ihm erst klar geworden, als er sich mit beiden Männern persönlich getroffen habe. Koçak sagt, er habe sich nach ein paar Minuten aus dem Gespräch zurückgezogen. Der Kontakt sei aber zunächst nicht ganz abgebrochen. Später schrieb der Linkenpolitiker Firas Remmo noch einmal an – es ging darum, eine Bundestagsrede von Koçak zum Thema Clankriminalität in sozialen Medien zu teilen.
Schon zuvor hatte der Abgeordnete dieses Verhalten als Fehler bezeichnet. Er zog sich daraufhin vorerst aus der Öffentlichkeit und aus dem Innenausschuss des Bundestags zurück. Auf Fotos in sozialen Medien war Koçak auf einer Wahlparty des Linken-Bezirksverbands in Neukölln auch neben Ibrahim Ibrahim zu sehen.
Laut dem Verein democ, der sich mit demokratiefeindlichen Bewegungen beschäftigt, ist Ibrahim ein langjähriger Aktivist der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP). Diese Organisation gilt in der EU und den USA als Terrororganisation. Koçak war bei der Bundestagswahl 2025 das erste Mal in den Bundestag eingezogen, nachdem er das Direktmandat in Neukölln gewonnen hatte.
Davor war er Mitglied der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Begriff Clankriminalität sorgt immer wieder für Diskussionen. Kritiker meinen, damit würden Menschen mit Migrationshintergrund allein wegen ihrer Familie und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Auch die Linke lehnt diese Bezeichnung weitgehend ab.