Ein Pflaster für fast 200 Euro – Luxus oder Irrsinn? Genau diese Frage stellt sich gerade das Internet, denn das französische Modehaus Hermès sorgt mit einem Lammleder-Pflaster für Schnappatmung. Statt Wunden zu heilen, soll das Patch Handys, Laptops oder Notizbücher verschönern. Der medizinische Nutzen ist gleich null, dafür der Gesprächswert enorm.
Online überschlagen sich die Reaktionen, von "genialer Luxus-Gag" bis "Dekadenz auf höchstem Niveau", während Social Media das Teil millionenfach weiterverbreitet. Provokation mit Kalkül: Genau dieser Aufreger-Effekt ist es, der Hermès nutzt, denn was polarisiert, verkauft sich, zumindest als Idee.
Das Pflaster steht sinnbildlich für eine Luxuswelt, in der es längst nicht mehr um Funktion geht, sondern um Status, Ironie und das Gefühl, Teil eines exklusiven Witzes zu sein. Je nutzloser das Objekt, desto größer die Aufmerksamkeit. Wer es kauft, zeigt Macht und Geld im Überfluss. Es ist kein Accessoire mehr, sondern eine Botschaft: Ich kann mir leisten, dass es keinen Sinn ergibt.
Übrigens: Auch andere Luxusmodehäuser oder Schmuckmarken, wie Tiffany & Co., sind in der Vergangenheit kritisiert worden. So hat der Edel-Juwelier aus New York beispielsweise ein Büroklammer aus Silber auf den Markt gebracht, die heute noch im Secondhand-Portalen um mehrere hundert Euro gehandelt wird.
Hermès, 1837 gegründet, ist eines der mächtigsten Modehäuser der Welt – berühmt für Handwerkskunst, extreme Limitationen seiner Produkte und Ikonen wie die legendäre Birkin Bag, für die Kunden jahrelang warten und teils sechsstellige Summen zahlen. Ein Beweis dafür, dass bei Hermès nicht das Produkt entscheidet, sondern der Mythos.