Der Fall rund um Günther "Gunkl" Paal erschüttert Österreich. Jetzt meldet sich auch Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zu Wort – und findet deutliche Worte.
"Als Mutter macht mich das Schicksal dieses kleinen Kindes zutiefst betroffen", schreibt die ÖVP-Politikerin am Freitag auf Facebook. Wenn sie daran denke, was das Kind mitmachen musste, würden ihr die Worte fehlen. "Es ist grausam und macht mich wütend."
Besonders ein Umstand stößt Mikl-Leitner sauer auf: Paal befindet sich trotz der gegen ihn erhobenen Anklage auf freiem Fuß.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kabarettisten eine geschlechtliche Handlung an einer unmündigen Person sowie das Verschaffen und Besitzen von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial vor. Laut Anklage geht es dabei um zumindest 960 Bilddateien und 19 Videos. Paal hat den Vorfall mit dem Kind in einer öffentlichen Videobotschaft eingeräumt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
"Kein normaldenkender Mensch in diesem Land versteht, warum dieser Mann noch auf freiem Fuß ist", erklärt Mikl-Leitner. Dass Paal ein Video veröffentlichen und seine Reue zeigen könne, während das Opfer mit den Folgen leben müsse, bezeichnet sie als "unerträglich".
Die Landeshauptfrau betont zwar ausdrücklich, dass die Justiz unabhängig entscheide. Gleichzeitig hält sie fest: "Aber das ist für mich nicht mehr nachvollziehbar."
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
Hier weiterlesen: Expertin gibt konkrete Tipps: Kontrolle, Eifersucht - wann der Alarm schrillen sollte >
Warum Paal tatsächlich nicht in Untersuchungshaft sitzt, hat allerdings rechtliche Gründe. U-Haft ist in Österreich keine vorweggenommene Strafe. Sie darf nur verhängt werden, wenn neben einem dringenden Tatverdacht auch ein gesetzlicher Haftgrund besteht – etwa Flucht-, Verdunkelungs- oder Tatbegehungsgefahr. Im Fall Paal wurde ein solcher Haftgrund nach bisherigem Stand nicht angenommen.
Anders ist die Situation bei den beiden slowakischen Frauen, die Paal laut Anklage über längere Zeit erpresst haben sollen. Sie befinden sich wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, insgesamt 189.000 Euro von dem Kabarettisten verlangt beziehungsweise erhalten zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Mikl-Leitner geht mit ihrer Kritik noch einen Schritt weiter. In ihrem Facebook-Post fordert sie generell strengere Strafen bei Sexualdelikten an Kindern und Vergewaltigungen. Der Nationalrat müsse die entsprechenden Gesetze aus ihrer Sicht "endlich verschärfen. Und zwar sofort."
Damit bekommt der Fall nun auch eine politische Dimension. Über Schuld und Strafe entscheidet allerdings das Gericht. Die Anklage gegen Paal ist noch nicht rechtskräftig.