Einen grauslichen Fund machte ein Bedürftiger in einer Armenausspeisung in der türkischen Großstadt Mersin im Süden des Landes. Dort wurde das traditionelle Rindfleischgericht Kavurma serviert. Doch plötzlich biss der Mann auf einen kleinen, plastikartigen Gegenstand.
Wie sich bald herausstellte, war es ein Mikrochip. Doch was hat ein Mikrochip in einem Fleischgericht zu suchen? Die Antwort darauf ist schauderhaft. Der Mikrochip stammte von einem Rennpferd namens "Smart Latch", das an der Pferderennbahn Adana Yesiloba stationiert war.
Das Rennpferd galt einst als Hoffnungsträger seines Gestüts, gewann drei von 13 Rennen und brachte insgesamt rund 23.000 Euro Preisgeld ein, wie türkische Medien berichten. Zuletzt war es am 14. Oktober 2025 im Einsatz, belegte den siebten Platz. Ein Beinbruch beendete die hoffnungsvolle Karriere des Tieres jedoch schlagartig.
Zunächst wollte der Besitzer, Suat Topcu, das Tier an einen Züchter weiterverkaufen. Doch die Stute war unfruchtbar, wie sich nach einer tierärztlichen Untersuchung herausstellte. Plan B war, das Tier einem Verein in Osmaniye zu schenken, der Kindern Reitunterricht ermöglicht.
Was danach passierte, könnte nun ein Fall für die Gerichte werden. Laut türkischen Medienberichten fuhr der Pferdetransporter danach nicht zum gemeinnützigen Verein, sondern direkt in einen Schlachthof. Dort dachte offenbar niemand daran, dass sich ein Identifikationschip im Tier befand. So wurde dieser einfach mitverarbeitet.
Und, als ob das nicht schon verstörend genug wäre, wurde das Pferdefleisch danach als "Rindfleisch" verpackt und etikettiert. Über einen Händler dürfte das billige Fleisch schließlich in der Suppenküche der Stadt Mersin gelandet sein.
Das weckt Erinnerungen an den Pferdefleischskandal von 2013. Damals flog auf, dass Markenhersteller in Europa über Jahre Pferdefleisch aus Argentinien verarbeiteten, das über mehrere Zwischenstationen schließlich als "Rindfleischlasagne" in Supermärkten landete.
Nun leiteten die Behörden von Mersin Ermittlungen ein. Ein Team der Provinzdirektion für Land- und Forstwirtschaft entnahm Proben des Fleischgerichts und schickte diese in ein Labor. Dort wurde bestätigt, dass es sich um Pferdefleisch handelte.
In der Folge musste die Armenausspeisung alle Fleischbestände vernichten, insgesamt 213 Kilo, wie "Türkiye Gazetesi" berichtet. Die Betreiber der Küche wurden wegen der Verarbeitung "gefälschter oder verfälschter Lebensmittel" angezeigt.
Dort betont man jedoch, nichts von der Fälschung gewusst zu haben. "Die Fleischbeschaffung erfolgte auf Grundlage des Schlachthofberichts, der unter Aufsicht und Genehmigung des für den Schlachthof zuständigen Tierarztes der Bezirkslandwirtschaftsdirektion erstellt wird", erklärte die zuständige Stadtverwaltung von Mersin.
Bis jetzt wurde in dem Fall erst eine einzige Strafe ausgestellt: Gegen den früheren Besitzer des Pferdes, Suat Topcu. Er muss nun 132.000 türkische Lira (umgerechnet rund 2.600 Euro) bezahlen, weil er die Spende des Pferdes den Behörden nicht gemeldet hatte, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Doğan Haber Ajansı (DHA). Ob auch gegen den Schlachthof und den Fleischhändler ermittelt wird, ist bis jetzt nicht bekannt.