Rätsel um "Daniel"

Mann lebt am Flughafen – er weiß nicht, wer er ist

Seit Wochen lebt ein Mann ohne Papiere am Flughafen Neapel. Er nennt sich Daniel, behauptet, Schwede zu sein, und erinnert sich an fast nichts.
02.11.2026, 20:52
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Er hat keinen Reisepass, kein Geld und keinen Koffer. Seit mehr als einem Monat hält sich ein unbekannter Mann am Flughafen Capodichino in Neapel auf. Niemand weiß, woher er tatsächlich kommt oder wie er dort gelandet ist. Selbst seine eigene Identität scheint für ihn ein Rätsel zu sein.

Der blonde Mann erinnert mit seinem Aussehen manche an Coldplay-Sänger Chris Martin. Italienische Medien haben ihm deshalb bereits den Spitznamen "Chris Martin von Capodichino" verpasst. Seine Geschichte wiederum erinnert an den Hollywoodfilm "Terminal" mit Tom Hanks. Doch für den Gestrandeten ist die Situation bitterer Ernst.

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"Ich bin Schwede, aber ich erinnere mich an nichts"

Ein Reporterteam des italienischen Fernsehsenders Rai konnte mit dem Unbekannten sprechen. Auf die Frage nach seiner Herkunft erklärte er, Schwede zu sein. Sein Name sei Daniel, er sei 25 Jahre alt. Italienische Medien schätzen ihn allerdings auf etwa 30 Jahre.

Was mit ihm passiert sei? "Ich wurde verprügelt", antwortete er auf Englisch. Gegenüber dem schwedischen Honorarkonsul Pierluigi Petrone soll er erklärt haben: "Ich bin Schwede, aber ich erinnere mich an nichts." Ob sich der Überfall tatsächlich so abgespielt hat, ist bisher nicht bestätigt.

Seiner Darstellung zufolge wurde er von mehreren Personen zusammengeschlagen und ausgeraubt. Dabei sollen ihm sein Reisepass, weitere Dokumente und sein Geld gestohlen worden sein. Der Angriff könnte sich in Rom ereignet haben. Warum er dort gewesen sein soll und wie er anschließend nach Neapel kam, bleibt völlig unklar.

Flughafen-Mitarbeiter kümmern sich um ihn

In Neapel ist der Flughafen inzwischen zu Daniels provisorischem Zuhause geworden. Auf den Sitzbänken ruht er sich aus, Mitarbeiter und Reisende versorgen ihn mit Essen, Getränken, Kleidung und Hygieneartikeln.

Dabei soll sich der Unbekannte stets höflich und zurückhaltend verhalten. Er bettelt nicht und bedankt sich leise, wenn ihm jemand hilft.

Auch der schwedische Honorarkonsul Pierluigi Petrone wurde auf den Mann aufmerksam. Als er ihn am Flughafen besuchte, trug Daniel lediglich ein T-Shirt. Petrone kaufte ihm daraufhin einen warmen Pullover.

Besonders dringend benötigt der Mann offenbar neue Schuhe. Auf manchen Aufnahmen ist er sogar barfuß zu sehen.

Konsul hofft auf entscheidenden Hinweis

Mittlerweile beschäftigt der Fall auch die schwedische Botschaft. Die Diplomaten versuchen herauszufinden, ob Daniel tatsächlich aus Schweden stammt und ob es dort eine Vermisstenmeldung gibt, die zu ihm passt.

Petrone hofft, dass die Berichterstattung dabei hilft, seine Identität zu klären. Wer den Mann erkennt, soll sich beim Konsulat melden. Eine Frau aus Neapel, die in Stockholm lebt und arbeitet, soll bereits mit dem Unbekannten gesprochen haben. Auch ihr habe er dieselbe Geschichte erzählt.

Eine Rückkehr nach Schweden lehnt Daniel bisher offenbar ab. Selbst der Hinweis, dass zu Hause womöglich Angehörige auf ihn warten, konnte ihn nicht umstimmen.

Jetzt verliert Daniel auch noch seinen Zufluchtsort

Ausgerechnet jetzt wird seine Lage noch schwieriger. Seit 1. November ist der Flughafen Neapel für den gesamten Monat für den Flugverkehr geschlossen. Grund sind umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Start- und Landebahn.

Für die Arbeiten werden rund 30 Millionen Euro investiert. Etwa 500 Arbeiter sind auf einer Fläche von 250.000 Quadratmetern im Einsatz. Ein Teil des Flugverkehrs wurde nach Salerno verlegt. Ob Daniel während der Sperre weiterhin Zugang zu seinem bisherigen Aufenthaltsort hat oder anderswo untergebracht wird, ist unklar.

Während die Behörden versuchen, das Rätsel um seine Herkunft zu lösen, bleibt die wichtigste Frage unbeantwortet: Wartet irgendwo in Schweden eine Familie auf Daniel, die seit Wochen nicht weiß, wo er steckt?

red, Akt. 02.11.2026, 21:01, 02.11.2026, 20:52
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