Analyse von 969 Fällen

Mehr Lungenembolien in Wien bei höherem Feinstaub

Eine Analyse der MedUni Wien hat einen Zusammenhang zwischen Lungenembolien und kurzfristigen Anstiegen bei Feinstaub und Luftdruck entdeckt.
Newsdesk Heute
19.02.2026, 11:43
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien hat untersucht, ob kurzfristige Umweltbelastungen das Auftreten von Lungenembolien beeinflussen könnten. Sie zählt zu den potenziell lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Neben etablierten Risikofaktoren wie Operationen, Immobilisation oder Krebserkrankungen wird in der Forschung seit einigen Jahren diskutiert, ob auch Luftverschmutzung und meteorologische Bedingungen das Risiko mitbestimmen könnten.

In die Kohortenstudie wurden 969 Patienten am Universitätsklinikum AKH Wien mit bestätigter akuter Lungenembolie aufgenommen. Analysiert wurden Kurzzeit-Expositionen in den Tagen vor der Diagnose. Die Umweltdaten zu Feinstaub PM2,5 und PM10, Luftdruck und Temperatur stammten aus Messnetzen von GeoSphere Austria sowie aus städtischen Messstationen der Stadt Wien.

Mehr Diagnosen bei höheren Umweltwerten

Die Auswertung zeigte eine Assoziation zwischen Umweltbelastung und der Häufigkeit von Lungenembolien. In Phasen mit höheren Feinstaubwerten sowie erhöhtem Luftdruck wurden mehr Lungenembolien diagnostiziert. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Patienten ohne erkennbare auslösende Risikofaktoren, also bei unprovozierter Lungenembolie, sowie bei ambulant diagnostizierten Fällen. Bei bereits stationär aufgenommenen Patienten zeigten sich hingegen keine klaren Effekte.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass kurzfristige Anstiege von Feinstaub und Luftdruck mit mehr Lungenembolien einhergehen.“
Stephan NoppErstautor der Studie, MedUni Wien

Für die Schwere der Krankheitsverläufe fanden sich jedoch keine Zusammenhänge mit Feinstaub, Luftdruck oder Temperatur. Das spricht dafür, dass die untersuchten Umweltfaktoren eher mit dem Auftreten zusätzlicher Ereignisse in Verbindung stehen könnten, nicht aber mit einer Verschiebung hin zu schwereren Krankheitsbildern bei Diagnosestellung.

Die Ergebnisse haben die Wiener Forscher jetzt im "Journal Research and Practice in Thrombosis and Haemostasis" publiziert. "Unsere Daten deuten darauf hin, dass kurzfristige Anstiege von Feinstaub und Luftdruck mit mehr Lungenembolien einhergehen, besonders bei Patientinnen und Patienten ohne klassische Risikofaktoren", sagt Erstautor Stephan Nopp. "Das unterstreicht, dass Umweltbelastungen als potenzielle Auslöser mitgedacht werden sollten, auch wenn die beobachteten Effekte auf individueller Ebene gering sind."

Weitere Forschung notwendig

Studienleiter Cihan Ay betont: "Es handelt sich um eine beobachtende Einzelzentrumsstudie, aus der sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten lässt. Die Ergebnisse liefern jedoch einen weiteren Baustein, um die Rolle modifizierbarer Umweltfaktoren bei thromboembolischen Erkrankungen besser zu verstehen."

Das Team sieht weiteren Bedarf für weitere Studien in unterschiedlichen Klimaregionen sowie für Untersuchungen zu biologischen Mechanismen, um die Befunde zu prüfen und besser einzuordnen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 19.02.2026, 11:43
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen