Spitze Winkel, viel Glas, glänzende Zinkfassaden und an Kristalle erinnernde Gebäudeteile: Überall auf der Welt hat Daniel Libeskind seine Handschrift hinterlassen. An Ruhestand denkt der Star-Architekt trotz seines runden Geburtstags nicht.
Der kulturell sehr gebildete und belesene Libeskind gilt als Poet unter den Architekten. Für ihn zählt nicht nur die äußere Erscheinung seiner Bauten, sondern auch die Idee dahinter – der Verweis auf außerarchitektonische Inhalte.
Libeskind wurde am 12. Mai 1946 im polnischen Lodz als Sohn jüdischer Eltern in einem Flüchtlingskrankenhaus geboren. Über Israel erreichte die Familie 1960 mit einem der letzten Immigrantenschiffe die USA, wo er später die Staatsbürgerschaft annahm.
Schon als kleiner Junge spielte er bravourös Akkordeon und ließ sich zunächst zum professionellen Musiker ausbilden, um dann doch zur Architektur zu wechseln. Sein erstes großes Gebäude realisierte er vergleichsweise spät mit 43 Jahren: Ab 1989 arbeitete er am Neubau des Jüdischen Museums in Berlin.
Die erzählerische Art seiner Architektur beginnt bereits bei der äußeren Formgebung: Der mit einer glänzenden Zinkfassade versehene Neubau erinnert, aus der Luft gesehen, an einen Blitz und stellt einen gebrochenen Davidstern dar.
Am 11. September 2001 sollte die offizielle Eröffnung des Jüdischen Museums stattfinden. Sie wurde verschoben, da Terroristen an dem Tag zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme von New York steuerten. Durch einen seltsamen Zufall ist dieses Ereignis auch mit einem anderen berühmten Libeskind-Projekt verknüpft.
Libeskind gewann die Ausschreibung zur Neubebauung von Ground Zero – der Lücke, die das zum Einsturz gebrachte World Trade Center gerissen hatte. Dabei setzte er sich gegen Schwergewichte der Architekturszene wie Norman Foster, Richard Meier und Peter Eisenman durch.
Auch mit 80 Jahren ist an Rente nicht zu denken: Bis heute beginnt der Meister der Spitzen und Schrägen neue Projekte. Laut NTV widmet pünktlich zum runden Geburtstag das Jüdische Museum in Berlin dem vor 25 Jahren eröffneten Neubau und seinem Architekten eine Ausstellung.