Eine Militärübung in Kanada endete in einer Katastrophe! Auf dem Stützpunkt Wainwright in der Provinz Alberta sind am Samstagnachmittag vier Soldaten bei einem verheerenden Brand ums Leben gekommen, 39 weitere wurden verletzt.
Nun wurde bekannt: Die für die Schießplätze zuständige Leitstelle wusste bereits mehrere Stunden lang von einem Buschbrand auf dem Übungsplatz. Trotzdem wurde entschieden, dass die Übungen fortgesetzt werden – mit tödlichen Folgen. Auf die ursprünglich in kanadischen Medien geschilderte Variante, eine Granate könnte eine aktive Gasbohrung getroffen haben, gibt es derzeit keine Hinweise.
Zum Zeitpunkt der Katastrophe absolvierten die Soldaten eine intensive Gefechtsübung mit scharfer Munition. Auf einem Schießplatz wurden Handgranaten geworfen. Gleichzeitig trainierten andere Soldaten in Zehnergruppen einen Angriff auf einen simulierten Gegner.
Gegen 16 Uhr Ortszeit breitete sich ein Buschbrand auf dem Übungsgelände rasant aus. Ob die verwendete Munition oder die Handgranaten das Feuer ausgelöst hatten, ist noch unklar. Laut Rutland könnte jede dieser Aktivitäten dafür verantwortlich gewesen sein, aber auch eine völlig andere Ursache sei denkbar.
Besonders dramatisch: Die Flammen erfassten jenen Bereich, in dem die Soldaten den Angriff übten. Der Schießplatz, auf dem Handgranaten geworfen wurden, blieb hingegen verschont.
Wie schnell sich die Katastrophe entwickelte, zeigen neue Aussagen des Militärs. Heftige Windböen trieben die Flammen innerhalb von weniger als einer Minute rund einen Kilometer weit. Der Wind erreichte dabei Geschwindigkeiten von bis zu 96 km/h.
Rutland schilderte, was ihm ein Kommandeur über die dramatischen Sekunden berichtet hatte: Innerhalb von nur 30 Sekunden bis einer Minute sei zunächst kein Feuer zu sehen gewesen. Dann hätten die Flammen die Soldaten plötzlich erreicht.
Die Männer wurden auf dem Übungsgelände von einer gewaltigen Feuerwand eingekesselt. Ihnen blieb kaum Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.
"Ich habe so etwas noch nie gesehen", erklärte Rutland. Der Kommandeur der ersten kanadischen Division sprach von einem ungewöhnlichen Ereignis, bei dem sich das Feuer extrem schnell ausgebreitet habe.
Besonders brisant sind die Angaben über den zeitlichen Ablauf. Laut Rutland war der zuständigen Leitstelle bereits mehrere Stunden vor der tödlichen Ausbreitung ein Feuer auf dem Stützpunkt bekannt. Dennoch durften die militärischen Übungen zunächst weiterlaufen.
Rutland erklärte, dass die Wetterbedingungen während des Großteils des Tages innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen für militärische Übungen gelegen seien. Die Windböen hätten zunächst weniger als 50 km/h erreicht. Diese Regeln beziehen sich allerdings nicht auf Phasen aktiver Brände. Warum die Übung fortgesetzt wurde, obwohl in nur einer Kilometer Entfernung ein Buschbrand wütete, bleibt vorerst ungeklärt.
Am Nachmittag änderte sich die Lage schließlich schlagartig. Zwischen 15 und 16 Uhr zog eine Kaltfront über Wainwright. Der Wind drehte von Südwest auf Nordwest und erreichte gegen 16 Uhr bereits 69 km/h. Die kanadische Wetterbehörde hatte für große Teile Albertas vor Windböen mit bis zu 90 km/h gewarnt.
Die Flammen breiteten sich schließlich weit über die Grenzen des militärischen Übungsgeländes hinaus aus. Militärische und zivile Einsatzkräfte kämpften gemeinsam gegen den Großbrand.
Die Behörden in Alberta lösten einen medizinischen Großeinsatz aus, der zehn Stunden lang aufrechterhalten wurde. Insgesamt wurden 22 Rettungswagen und acht Luftfahrzeuge nach Wainwright entsandt.
Kanadas Premierminister Mark Carney bezeichnete das Unglück als eine der schlimmsten Tragödien, die die kanadischen Streitkräfte in Friedenszeiten auf heimischem Boden erlebt haben.
Als Zeichen der Trauer ordnete Carney an, die Flaggen an Bundesgebäuden im ganzen Land auf halbmast zu setzen. Verteidigungsminister David McGuinty kündigte an, sich persönlich über die Lage am Unglücksort informieren zu lassen.
Die genaue Brandursache ist weiterhin ungeklärt. Einige Zeugen hatten während des Feuers Explosionen gehört. Hinweise darauf, dass Öl- oder Gasanlagen auf dem Militärgelände getroffen wurden, gibt es laut Rutland jedoch nicht. Auch für einen terroristischen Hintergrund liegen nach Angaben des Verteidigungsministeriums keine Anzeichen vor.
Die Ermittlungen sollen mindestens einen Monat dauern. Dabei dürfte vor allem eine Frage im Mittelpunkt stehen: Warum wurde die Militärübung fortgesetzt, obwohl bereits Stunden vor der tödlichen Feuerwalze ein Brand auf dem Stützpunkt bekannt war?