Ein Kleid, das live auf den Körper von Supermodel Bella Hadid gesprüht wird. Eine Handtasche aus echtem Meteoritenmaterial. Roboterhunde, die über den Laufsteg marschieren. Die Pariser Modemarke Coperni sorgte mit ihren spektakulären Ideen weltweit für Aufsehen. Doch jetzt ist Schluss: Die Gründer Arnaud Vaillant und Sébastien Meyer stellen den Betrieb ihres Labels ein.
Wie das Designer-Duo am Mittwoch mitteilte, wird die französische Hauptgesellschaft Coperni SAS sämtliche Geschäftsaktivitäten einstellen. Hinter dem Aus stehen ein eskalierter Streit mit dem Vertriebspartner und Anteilseigner Tomorrow sowie massive finanzielle Probleme. Eine Einigung über offene Forderungen und umstrittene Lizenzbedingungen kam trotz monatelanger Bemühungen nicht zustande.
Coperni war nie einfach nur ein weiteres Modelabel. Die beiden Gründer verstanden den Laufsteg als Experimentierfläche und verschmolzen Mode mit Wissenschaft, Technologie und Kunst. Ihre Kreationen waren regelmäßig Gesprächsstoff weit über die Modewelt hinaus.
Der wohl berühmteste Coup gelang ihnen im September 2022 bei der Pariser Fashion Week: Supermodel Bella Hadid betrat den Laufsteg zunächst in hautfarbener Unterwäsche. Vor den Augen des Publikums sprühten Techniker anschließend ein spezielles Flüssigmaterial direkt auf ihren Körper. Innerhalb weniger Minuten entstand daraus ein weißes, figurbetontes Kleid. Designerin Charlotte Raymond formte den Ausschnitt und schnitt einen Schlitz in den Rock.
Möglich machte das eine vom spanischen Wissenschaftler Manel Torres entwickelte Technologie namens Fabrican. Dabei verwandelt sich eine Mischung aus Fasern und Flüssigkeit beim Kontakt mit der Luft in einen tragbaren Stoff. Der Auftritt ging um die Welt und machte Coperni endgültig international bekannt.
Auch bei den Accessoires kannten die Designer kaum Grenzen. Ihre ikonische Swipe Bag, deren geschwungene Form an das Entsperren eines Smartphones erinnert, wurde immer wieder neu interpretiert.
Für eine besonders spektakuläre Variante verwendeten sie echtes Meteoritenmaterial. Das außergewöhnliche Gestein stammte von einem Meteoriten, der vor rund 55.000 Jahren in Südfrankreich auf die Erde gefallen war. Jede Tasche wurde damit zu einem besonderen Einzelstück – ein Luxusaccessoire, das tatsächlich ein Stück Weltall in sich trug.
Doch damit nicht genug: Mit der sogenannten Air Swipe Bag präsentierte Coperni 2024 eine weitere technologische Sensation. Die Tasche bestand aus Silica-Aerogel, einem Material, das auch in der Weltraumforschung zum Einsatz kommt. Die außergewöhnliche Konstruktion bestand zu 99 Prozent aus Luft und zu einem Prozent aus Glas. Das Ergebnis: ein fast unwirklich leichtes Accessoire, das gerade einmal rund 33 Gramm wog.
Für ihre Herbst/Winter-Kollektion 2023 holten Vaillant und Meyer sogar Roboterhunde der Firma Boston Dynamics auf den Laufsteg. Die Maschinen bewegten sich zwischen den Models, interagierten mit ihnen und zogen einer Darstellerin sogar choreografiert eine Jacke aus. Die Show erinnerte an ein futuristisches Theaterstück und stellte die Beziehung zwischen Mensch und Maschine in den Mittelpunkt.
Auch vor der Biologie machten die Designer nicht Halt. In ihren Materialexperimenten beschäftigten sie sich mit Mikroorganismen und dem menschlichen Hautmikrobiom – also jener Gemeinschaft von Mikroorganismen, die natürlicherweise auf unserer Haut lebt. Damit rückte eine weitere Frage in den Fokus: Wie könnten Wissenschaft und Biotechnologie künftig beeinflussen, wie Kleidung entsteht und mit unserem Körper interagiert?
Coperni zeigte damit immer wieder, dass Mode nicht nur schön aussehen, sondern auch überraschen, provozieren und neue Möglichkeiten aufzeigen kann.
Umso bitterer ist nun das Ende der Marke. Die Krise hatte sich bereits seit Monaten abgezeichnet. Nachdem Tomorrow die bestehende Lizenzvereinbarung wegen unbezahlter Schulden gekündigt hatte, suchte Coperni Anfang des Jahres Gläubigerschutz vor dem Pariser Handelsgericht.
Im März verschärfte sich die Lage durch die Übernahme von Tomorrow Ltd durch Progetto 11, die Holdinggesellschaft der The Level Group. Vaillant und Meyer versuchten daraufhin, ihr Label zurückzukaufen und die Kontrolle über das Unternehmen wiederzuerlangen. Doch die Verhandlungen scheiterten.
Neben den ungelösten Fragen zur Unternehmensführung machten vor allem die finanziellen Engpässe den Gründern zu schaffen. Auch die geplante Herbst/Winter-Show 2026 wurde kurzfristig abgesagt. Am Ende blieb offenbar kein Ausweg mehr: Die Geschäftsaktivitäten werden eingestellt.
Für die beiden Designer bedeutet das nach acht Jahren das Ende eines gemeinsamen Kapitels. In einem persönlichen Statement blickten sie dennoch mit Stolz auf die Entwicklung ihrer Marke zurück.
„Sind unfassbar stolz auf das, was wir erschaffen haben.“
"Diese acht Jahre waren außergewöhnlich. Coperni war schon immer ein gemeinsames Abenteuer, und wir sind unfassbar stolz auf das, was wir erschaffen haben", erklärten Vaillant und Meyer in ihrem Statement.
Trotz des Rückschlags wollen die beiden den Blick nach vorne richten. Die Modebranche werde zunehmend herausfordernder, gleichzeitig gebe es weiterhin viel zu kreieren und neu zu erfinden. Innovation sei stets ihre größte Leidenschaft gewesen und habe bei allen Entscheidungen im Mittelpunkt gestanden.