Künstliche Sommersprossen sind auf TikTok und Instagram der letzte Schrei. Doch wer sich die kleinen Pünktchen mit Henna ins Gesicht zaubern möchte, sollte vorsichtig sein. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) warnt vor möglichen Gesundheitsrisiken und erhebt schwere Vorwürfe gegen online angebotene Produkte.
Bei einem Check von drei über Amazon gekauften Henna-Produkten stießen die Konsumentenschützer auf erhebliche rechtliche und kennzeichnungsbezogene Mängel. Der VKI schaltete deshalb das zuständige Bundesamt für Verbrauchergesundheit ein.
Was viele nicht wissen: Natürliches Henna ist nicht automatisch für jede Anwendung geeignet. Der färbende Inhaltsstoff Lawsone ist in der EU nicht als Farbstoff für Kosmetikprodukte zur Anwendung auf der Haut zugelassen. Unter bestimmten Voraussetzungen darf Henna zwar zum Haarefärben verwendet werden, für künstliche Sommersprossen oder andere Hautbemalungen gibt es aber keine entsprechende Zulassung.
Besonders gefährlich kann sogenanntes "Black Henna" sein. Denn natürliches Henna färbt nicht tiefschwarz. Für den dunklen Farbton werden deshalb häufig zusätzliche Farbstoffe wie Para-Phenylendiamin (PPD) beigemischt.
Der Stoff hat es in sich: PPD kann bereits nach einmaligem Hautkontakt allergische Reaktionen auslösen und eine lebenslange Sensibilisierung verursachen. Für die Anwendung auf der Haut ist der Stoff in der EU nicht zugelassen.
"Produkte mit 'Black Henna auf PPD-Basis' für Hautbemalungen dürfen daher nicht verkauft werden", warnt Birgit Schiller, Kosmetik- und Chemikalien-Expertin beim VKI.
Die Konsumentenschützer nahmen drei online angebotene Produkte unter die Lupe: eine schwarze Golecha-Henna-Tube, einen rotbraunen Golecha-Henna-Kegel und ein Set mit temporären Henna-Tattoos. Alle drei wurden ausdrücklich für die Anwendung auf der Haut beworben.
Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Bei sämtlichen Produkten fehlten wichtige gesetzlich vorgeschriebene Angaben. Teilweise waren die Inhaltsstofflisten unvollständig oder überhaupt nicht vorhanden. Auch Füllmengen und weitere verpflichtende Kennzeichnungen fehlten.
Ob das untersuchte schwarze Henna tatsächlich problematische Inhaltsstoffe enthielt, ließ sich aufgrund der mangelhaften Deklaration nicht feststellen.
Auch wenn Henna-Produkte als Haarfärbemittel verkauft werden, landen sie mitunter zweckentfremdet auf der Gesichtshaut. Genau davor warnt der VKI. Die Sicherheit von Henna für eine dauerhafte Anwendung im Gesicht sei nicht bewertet worden. Gesundheitliche Risiken könnten daher nicht ausgeschlossen werden.
Wer den angesagten Sommersprossen-Look ausprobieren möchte, sollte laut VKI lieber zu eigens dafür entwickelten Kosmetikprodukten greifen. Sommersprossenstifte aus der Drogerie seien eine geeignete Alternative. Von Henna und insbesondere von "Black Henna" auf der Haut wird ausdrücklich abgeraten.