Seit Jahren kämpft der Kosovo mit einer wachsenden Zahl an Streunerhunden. Ursachen sind unkontrollierte Vermehrung durch Zucht, das Aussetzen von Tieren und mangelnde Tierschutzmaßnahmen. Besonders auf Mülldeponien sammeln sich große Streunerpopulationen, die dort um ihr tägliches Leben kämpfen.
Um dem Problem entgegenzuwirken, führte Tierschutzorganisation VIER PFOTEN gemeinsam mit einem lokalen Tierarzt kürzlich ein "Catch-Neuter-Vaccinate-Return"-Programm (CNVR) auf einer Deponie in der Gemeinde Podujeva durch. Während des knapp zweiwöchigen Einsatzes wurden mehr als 100 streunende Hunde kastriert, geimpft und medizinisch versorgt.
Die Arbeit vor Ort erlebte das Tierschutz-Team als emotional sehr fordernd. "Es ist herzzerreißend zu sehen, wie Besitzer ihre Tiere auf Deponien entsorgen, wenn sie unerwünscht werden. Inmitten der Abfälle überleben sie, indem sie täglich um ihr Leben kämpfen und sich durch den Müll wühlen. Viele leben mit schmerzhaften, unbehandelten Verletzungen und Krankheiten und sind Tag und Nacht extremer Hitze, Kälte und Regen ausgesetzt. Die Tiere zu fangen, war nicht einfach und erforderte oft viel Geduld. Denn die Hunde sind zumeist menschlichen Kontakt nicht gewohnt und sehr scheu, was es natürlich erschwert, sich ihnen zu nähern", sagt Manuela Rowlings, Leiterin der Abteilung für Streunertiere bei VIER PFOTEN.
Sowohl illegale als auch legale Deponien werden häufig von Eigentümern genutzt, um ihre Haustiere und unerwünschte Welpen auszusetzen. Oft sind diese Plätze nicht eingezäunt und ermöglichen streunenden Tieren einen einfachen Zugang zu Lebensmittelabfällen. Dennoch sind die Bedingungen auf diesen Standorten besonders hart und unhygienisch, unter anderem auch, weil kein Zugang zu sauberem Trinkwasser vorhanden ist.
Im Kosovo leben mehr als 50.600 Hunde auf der Straße, viele von ihnen leiden an Hunger, Krankheiten und den harten Lebensbedingungen. Eine von 2024 bis 2025 durchgeführte Erhebung von VIER PFOTEN in Zusammenarbeit mit der kosovarischen Animal Rights Foundation ergab, dass Pristina mit einer geschätzten Gesamtzahl von 11.300 streunenden Hunden die Region mit den höchsten Streunerpopulationen im Kosovo ist.
„Streunende Hunde im Kosovo brauchen dringend Unterstützung. Kastrationsprogramme spielen eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Populationen und der Reduzierung von Tierleid“
Weiter erzählt die Tierschützerin: "Der Einfluss einzelner Gemeinden ist begrenzt. Wir fordern daher alle Behörden im Kosovo auf, umfassende Programme für ein Management der Populationen umzusetzen, die auf verlässlichen Daten, der Einbindung der lokalen Bevölkerung und verantwortungsvoller Tierhaltung basieren", sagt Manuela Rowlings.