Bei der jüngsten Artemis 2-Mission der NASA spielte die europäische Raumfahrtagentur ESA eine zentrale Rolle. Vier Astronauten umrundeten dabei den Mond und kehrten am Samstag zur Erde zurück. "Wir sind zurück im Spiel", sagt ESA-Direktor Daniel Neuenschwander.
Entscheidend war laut dem Schweizer vor allem die Technik aus Europa: "Der aktuelle Flug zum Mond wäre ohne das Antriebssystem der ESA gar nicht möglich gewesen". Das sogenannte European Service Module (ESM) versorgte die Crew nicht nur mit Sauerstoff, Wasser und Strom, sondern stellte auch den Antrieb der "Orion"-Kapsel.
Auch künftig will Europa bei Mondmissionen stärker eingebunden sein. Schon bald sollen ESA-Astronauten an "Artemis"-Flügen teilnehmen. Eine Landung auf dem Mond ist allerdings erst für "Artemis 4" im Jahr 2028 geplant. Zuvor hatte ESA-Chef Josef Aschbacher angekündigt, dass Deutschland als erstes Land europäische Astronauten für eine solche Mission stellen soll.
Parallel dazu verfolgt die ESA eigene Pläne: Mit dem Mondlander "Argonaut" sollen ab 2030 erstmals eigenständig Geräte auf den Mond gebracht werden. Der Transport soll mit einer Ariane-6-Rakete erfolgen. Geplant ist, bis zu 1,5 Tonnen Fracht – etwa Rover oder wissenschaftliche Instrumente – auf der Oberfläche abzusetzen.
"Ziel ist es, unser Verständnis vom Mond zu erhöhen", erklärt Neuenschwander. "Wir wollen zum Südpol." Dort erhoffen sich Forscher wichtige Ressourcen und günstige Bedingungen für Energiegewinnung. Die Ambitionen gehen noch weiter: "Wir wollen dorthin, um zu bleiben", sagt der ESA-Direktor. "Ziel ist langfristig eine europäische Forschungsstation mit Astronauten."
Der Zeitplan ist ambitioniert: "Bis 2030 zeigen, dass wir es können. Ab 2031 bauen wir Kapazitäten auf und vor 2040 eine permanente europäische Präsenz auf dem Mond auf", so Neuenschwander. Dabei bleibe die Zusammenarbeit mit den USA entscheidend: "Wir brauchen die USA beim bemannten Transport zum Mond."
Gleichzeitig stehen technische Herausforderungen im Fokus – etwa die Versorgung mit Wasser und Sauerstoff oder der Schutz vor Strahlung. Auch die extrem langen Mondnächte von rund 14 Erdtagen stellen ein Problem dar.
Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen erhofft sich die ESA auch technologische Fortschritte. "Wir verstehen auch die Erde besser und das Zusammenwirken von Mond und Erde beim Klima. Es geht auch um Ressourcen, wenn wir da sind", sagt Neuenschwander. Zudem könnten Innovationen aus der Raumfahrt etwa bei Katastropheneinsätzen helfen.
Nicht zuletzt sieht die ESA in den Projekten auch einen Impuls für internationale Zusammenarbeit und Nachwuchs. "Wichtig ist, es braucht Leuchtturmprojekte, die junge Menschen quer durch Europa inspirieren", betont Neuenschwander. Bei "Artemis 2" waren allein aus Europa rund 100 Firmen aus 13 Ländern beteiligt.