Nach stundenlangen Gesprächen in Pakistan bleibt ein Durchbruch aus: Die USA und der Iran konnten sich nicht einigen – doch Experten sehen dennoch Bewegung.
Insgesamt 21 Stunden verhandelten Vertreter beider Seiten in Islamabad, ehe die Gespräche ohne Ergebnis endeten. US-Vizepräsident J.D. Vance sprach zwar von "bedeutenden Diskussionen mit den Iranern", machte aber auch klar: "Die schlechte Nachricht ist, dass wir zu keiner Einigung gekommen sind. Und ich denke, für den Iran sind das viel mehr schlechte Nachrichten als für die Vereinigten Staaten von Amerika." Auch aus Teheran hieß es, die Gespräche seien "intensiv" gewesen.
Für Geopolitik-Experten liefert vor allem die Wortwahl aus Washington Hinweise auf die Strategie der USA. "Sie zeigt im Kern, dass die USA einen erneuten Angriff vermeiden wollen", sagt Klemens Fischer von der Universität zu Köln, wie "Focus" berichtet.
Hintergrund: Der Iran habe den jüngsten Angriffen mehr als 40 Tage standgehalten und verfüge offenbar über ausreichend Ressourcen, um den Konflikt fortzusetzen. Für die USA hingegen könnte ein längerer Krieg politisch teuer werden.
Als zentrales Problem sieht Fischer die Suche nach einer Lösung, mit der beide Seiten ihr Gesicht wahren können – sowohl gegenüber der eigenen Bevölkerung als auch gegenüber Verbündeten. Für die USA komme erschwerend hinzu, dass auch Israel berücksichtigt werden müsse.
Auch Politikwissenschaftler Joachim Krause erkennt eine komplizierte Ausgangslage. Zwar hätten die USA grundsätzlich die stärkere Position, "faktisch kann es aber darauf hinauslaufen, dass der Iran am längeren Hebel sitzt". Militärische Optionen – etwa Angriffe auf iranische Ölanlagen oder strategische Punkte in der Straße von Hormus – seien zwar denkbar, würden aber hohe Risiken und Verluste mit sich bringen. Zudem dürfte US-Präsident Donald Trump mit Blick auf anstehende Zwischenwahlen eine Eskalation vermeiden wollen.
Ob die aktuelle Waffenruhe hält, ist offen. Fischer geht davon aus, dass zunächst die Ergebnisse der Gespräche ausgewertet werden. "Dann muss die Antwort des Iran auf das 'letzte Angebot' der USA abgewartet werden und die darauffolgende US-Reaktion", sagt er. Vance hatte dazu erklärt, man habe Teheran einen finalen Vorschlag unterbreitet: "Wir werden sehen, ob die Iraner es akzeptieren."
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Routen für den globalen Ölhandel. Laut Fischer handelt es sich dabei um eine "schlichte, analoge Waffe", mit der der Iran erheblichen wirtschaftlichen Druck ausüben könne. Eine militärische Öffnung der Meerenge wäre zwar möglich, die Risiken seien jedoch schwer kalkulierbar.
Auch Krause sieht hier einen Kernkonflikt. Der Iran habe die Passage während der Waffenruhe nicht vollständig freigegeben. Sollte sich dieser Zustand verfestigen, könnten Schiffe künftig nur noch mit Genehmigung des iranischen Militärs passieren – gegen entsprechende Gebühren. "Wenn die USA das geschehen ließen, wäre das die Legalisierung eines modernen Raubrittertums. Unter Trump kann man das leider nicht ausschließen", warnt er.
Parallel verschärft sich der Ton aus Washington: Trump drohte, Schiffe in der Region künftig zu blockieren, und erklärte, die USA seien bereit, den Iran "zum geeigneten Zeitpunkt fertigzumachen".
Trotz des Scheiterns sehen Experten auch einen kleinen Fortschritt: Erstmals nahm mit Parlamentspräsident Mohammad Ghalibaf ein hochrangiger Vertreter des Iran direkt an Gesprächen mit der US-Delegation teil. "Bislang wurden auf Bitten der Iraner Verhandlungen nur über Dritte geführt, weil man sich nicht mit Vertretern des 'Großen Satans' an einen Tisch wollte", so Krause.
Für Fischer bleibt dennoch entscheidend: "dass bei diesem ersten Versuch" nicht genügend gemeinsame Grundlagen gefunden wurden. Gleichzeitig lasse die Rhetorik beider Seiten "ein Fenster für weitere Verhandlungen offen".