Es waren nur wenige Sekunden, die für eine Familie aus Kirchberg in Tirol alles veränderten. Im Jahr 2024 spielte der damals dreijährige Loy mit einer alten Stehlampe – und geriet dabei in einen Stromkreislauf.
Seine Mutter Yvonne Neumann hatte den entscheidenden Moment bis heute klar vor Augen. Der Bub schrie plötzlich und wurde anschließend steif. "Ich habe meinem Mann zugerufen, dass er die Rettung rufen muss, irgendwas stimmt nicht", erinnerte sie sich in der "Tiroler Tageszeitung".
Noch bevor professionelle Hilfe eintraf, begann die Mutter mit der Reanimation. Kurz darauf kam ein Polizeibeamter mit Erste-Hilfe-Erfahrung hinzu, wenig später die Rettung. Erst nach rund 30 Minuten zeigte Loy wieder Lebenszeichen. Im Krankenhaus wurde dann das ganze Ausmaß sichtbar: Der Bub lag sieben Tage im künstlichen Tiefschlaf.
Nach dem Aufwachen wurde deutlich, wie schwer die Verletzungen waren. Viele Fähigkeiten musste er neu erlernen. "Loy hat gelächelt, aber mehr konnte er nicht mehr", schilderte die Mutter. Gehen, sprechen, essen – alles musste wieder neu aufgebaut werden.
Die Familie begann sofort mit intensiven Therapien. Schon auf der Intensivstation starteten erste Maßnahmen, später folgten Aufenthalte in der Kinderreha in Salzburg sowie zahlreiche weitere Behandlungen. Auch tiergestützte Therapien und Musiktherapie wurden ausprobiert. Das Ziel war immer, dem Kind Schritt für Schritt ein Stück Normalität zurückzugeben.
Unterstützung kam auch aus dem Umfeld. Die Gemeinde und viele Helfer halfen der Familie, unter anderem beim Einrichten eines sicheren Therapieraums zu Hause. Spenden ermöglichten zusätzliche Behandlungen.
Einen Wendepunkt brachte schließlich eine Delfintherapie. Über eine Ergotherapeutin erfuhren die Eltern davon, finanziert wurde sie unter anderem durch eine Charity-Initiative aus Kitzbühel. Die Wirkung zeigte sich rasch: bessere Koordination, neue Bewegungen und mehr Orientierung im Alltag.
"Er hat wieder gemerkt, wo der Stuhl anfängt und aufhört, konnte sich also wieder sicher hinsetzen", beschrieb die Mutter einen der Fortschritte. Auch das Selbstvertrauen des Kindes wuchs sichtbar.
Heute konnte Loy wieder kurze Sätze sprechen, stehen, gehen und sogar Stiegen steigen. Seine Mutter war überzeugt, dass auch seine Geschwister ihn zusätzlich antrieben. "Er will ihnen nacheifern, das hilft ihm ungemein", sagte sie.
Trotz aller Erfolge war der Weg noch lange nicht zu Ende. Weitere Therapien stehen an, auch eine erneute Delfintherapie ist im Gespräch. Die Kosten dafür sind jedoch hoch, weshalb die Familie weiterhin auf Unterstützung hofft.
Für die Eltern bleibt vor allem eines: Hoffnung. "Die letzten zwei Jahre waren wir im Überlebensmodus", sagte Yvonne Neumann. Doch sie glaubt fest daran, dass ihr Sohn weitere Fortschritte machen wird – Schritt für Schritt zurück ins Leben.