Einer der meistgesuchten Mafia-Bosse Italiens ist in Spanien festgenommen worden. Der mutmaßliche Clanchef der kalabrischen Verbrecherorganisation ’Ndrangheta war nach Angaben der Behörden seit Jahren auf der Flucht.
Die spanische Nationalpolizei nahm den Mann in der Stadt Soria, rund 200 Kilometer nordöstlich von Madrid, fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft im italienischen Reggio Calabria handelt es sich um Domenico Paviglianiti, auch bekannt als "Don Mico". Gegen ihn bestand seit Juli 2022 ein Europäischer Haftbefehl.
Die italienische Justiz wirft dem mutmaßlichen Mafia-Boss unter anderem Gewaltdelikte, Drogenhandel und Geldwäsche vor. Ihm droht eine Haftstrafe von 19 Jahren. Die Festnahme sei das Ergebnis monatelanger Ermittlungen in Zusammenarbeit zwischen spanischen und italienischen Behörden gewesen.
Auf einem von der spanischen Polizei veröffentlichten Video ist zu sehen, wie der Verdächtige mit auf dem Rücken gefesselten Händen in ein Polizeifahrzeug gebracht wird. Widerstand leistete er dabei nicht.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der 65-Jährige in den kommenden Tagen nach Italien überstellt werden, wo er seine Haftstrafe antreten soll.
Spanischen Medien zufolge wurde Paviglianiti bereits mehrfach in Spanien festgenommen. Schon 1996 war er im Rahmen einer internationalen Anti-Mafia-Aktion gefasst und 1999 nach Italien ausgeliefert worden. Dort verbüßte er rund 20 Jahre Haft.
Nach einem Berechnungsfehler bei der Reststrafe wurde er jedoch vorzeitig entlassen und entzog sich anschließend erneut der italienischen Justiz. 2021 klickten in Madrid erneut die Handschellen, wegen abgelaufener Haftfristen kam er aber wieder frei.
Laut der Zeitung "El Mundo" lebte "Don Mico" zuletzt unauffällig in der rund 40.000 Einwohner zählenden Stadt Soria. Dem Bericht zufolge soll er allerdings von einem Leibwächter beschützt worden sein.
Die ’Ndrangheta zählt zu den mächtigsten und gefährlichsten Mafiaorganisationen der Welt. Medienberichten zufolge spielte Paviglianiti in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren eine wichtige Rolle im zweiten ’Ndrangheta-Krieg – einem blutigen Machtkampf rivalisierender Clans in Kalabrien, bei dem rund 700 Menschen getötet wurden.