Ob beim Kaffee am Morgen, beim Mittagessen oder beim gemütlichen Abendessen: Die Frage nach der Bezahlung gehört zum Alltag in Österreichs Gastronomie. Während Kartenzahlung und Handy-Bezahldienste immer häufiger genutzt werden, bleibt Bargeld für viele Gäste und Betriebe weiterhin ein wichtiger Teil des Restaurantbesuchs. Eine neue Initiative will Bargeld nun stärken. Die Geldservice Austria (GSA) hat mit dem Fachverband Gastronomie der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) die Aktion "Bargeldfreundlicher Betrieb" gestartet.
Dabei geht es laut der Initiative nicht darum, elektronische Zahlungen zurückzudrängen, sondern Gästen weiterhin die freie Entscheidung zu ermöglichen. Gastronomiebetriebe sollen deutlich machen können, dass Barzahlung bei ihnen weiterhin willkommen ist. "Nach einem guten Essen die Rechnung samt Trinkgeld bar zu bezahlen, ist eine einfache Möglichkeit, Anerkennung für gutes Service auszudrücken. Unsere Beobachtungen zeigen, dass bei Kartenzahlungen häufig weniger Trinkgeld gegeben wird", so GSA-Geschäftsführer Heimo Ertl.
"Mit der Initiative möchten wir Betriebe dabei unterstützen, Gäste freundlich auf die Möglichkeit der Barzahlung hinzuweisen. Bargeld verbindet Menschen – und gerade beim Trinkgeld bleibt Barzahlung für viele Gäste die persönlichste Form der Wertschätzung."
Wie wichtig Bargeld in der Gastronomie sei, zeige laut Initiative eine von der GSA beim Meinungsforschungsinstitut Marketagent beauftragte repräsentative Untersuchung. Demnach gaben rund 75 Prozent der Befragten an, häufig bar zu bezahlen. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Altersgruppen: Besonders junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren greifen laut Umfrage deutlich öfter zu Karte oder mobilen Bezahllösungen. Beim Thema Trinkgeld zeigt die Untersuchung ebenfalls Unterschiede.
Bei einem Rechnungsbetrag von 48 Euro gaben bei Kartenzahlung 14,9 Prozent der Befragten gar kein Trinkgeld. Bei Mobile Payment waren es 16 Prozent. Bei Barzahlung lag dieser Anteil hingegen nur bei 1,8 Prozent. Auch beim Aufrunden der Rechnung gibt es Unterschiede. 57 Prozent jener Personen, die bar bezahlen, gaben laut Studie an, den Betrag auf 50 Euro aufzurunden. Bei anderen Zahlungsmethoden erreicht dieser Wert nicht einmal die Hälfte der Befragten. Für viele Menschen hat Bargeld offenbar auch praktische Gründe.
55 Prozent nannten die schnelle Abwicklung als Vorteil. 63 Prozent erklärten, dass sie mit Bargeld ihre Ausgaben besser im Blick behalten könnten. Knapp 40 Prozent äußerten zudem Bedenken, dass bei Kartenzahlungen persönliche Informationen an Dritte weitergegeben werden könnten. Dass Bargeld auch künftig Teil der österreichischen Gastronomie bleiben soll, wünschen sich laut Umfrage 90 Prozent der Befragten.
"Unsere Gastronominnen und Gastronomen wollen ihren Gästen größtmögliche Flexibilität bieten – der Kunde ist König, das gilt selbstverständlich auch beim Bezahlen. Gleichzeitig ist Barzahlung für viele Betriebe im Alltag nach wie vor wichtig: Sie ist einfach, direkt verfügbar und unterstützt schnelle Abläufe im Service. Besonders beim Trinkgeld zeigt sich, dass Bargeld oft die unmittelbarere Form der Wertschätzung ist", erklärt Alois Rainer, Obmann des Fachverbands Gastronomie in der WKO.
Gerade im Servicebereich spiele Bargeld eine besondere Rolle. Viele Gäste verbinden das Überreichen eines Trinkgeldes direkt an die Kellnerin oder den Kellner mit einer persönlichen Geste. Bei digitalen Zahlungen werde dieser Moment laut den Initiatoren offenbar seltener genutzt. Die Teilnahme an der Aktion "Bargeldfreundlicher Betrieb" ist freiwillig und kostenlos. Betriebe unterschiedlicher Größe können Materialien erhalten, mit denen sie Gäste auf die Möglichkeit der Barzahlung aufmerksam machen können.
Dazu gehören unter anderem Aufkleber für Kassen- oder Eingangsbereiche sowie Hinweise rund um das Thema Trinkgeld. Auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Service gibt es entsprechende Materialien. Die Botschaften sollen zeigen, dass Bargeld im jeweiligen Lokal ausdrücklich akzeptiert wird. Hinter der Initiative steht die Geldservice Austria, die seit knapp 30 Jahren große Teile der Bargeldlogistik in Österreich organisiert. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Österreichischen Nationalbank (OeNB).