Wer ab 1. Oktober in Kroatien essen geht, sollte genauer auf die Speisekarte schauen. Denn künftig kann dort ein und dasselbe Gericht mit zwei Preisen angeschrieben sein. Hinter der ungewöhnlichen Regel steckt eine neue Vorschrift zur Preisauszeichnung. Sie betrifft nicht nur Restaurants und Cafés, sondern auch Händler, Friseure, Kosmetiker und Handwerksbetriebe.
Neben dem aktuellen Preis muss zusätzlich ein sogenannter Ankerpreis angegeben werden. Als Vergleichswert gilt jener Preis, den das jeweilige Produkt oder Gericht am 10. September gekostet hat.
Ein Beispiel macht die Regel deutlich: Kostete ein Schnitzel am 10. September 20 Euro und steht es inzwischen mit 22 Euro auf der Karte, müssen künftig beide Beträge ausgewiesen werden.
Das gilt sogar dann, wenn sich am Preis überhaupt nichts geändert hat. Auch in diesem Fall müssen der aktuelle Betrag und der Referenzpreis angegeben werden. Die Vorschrift beschränkt sich zudem nicht auf die klassische Speisekarte. Auch Werbetafeln vor Lokalen, auf denen Speisen oder Getränke samt Preis angepriesen werden, sind betroffen.
Mit der neuen Regel will die kroatische Regierung für mehr Transparenz sorgen. Gäste sollen auf einen Blick erkennen können, wie sich ein Preis seit dem festgelegten Referenzdatum verändert hat.
Gerade für Urlauber kann das einen zusätzlichen Vergleich ermöglichen. Gleichzeitig dürfte die neue Darstellung auf den Karten für manche Gäste zunächst ungewohnt sein.
Bei den Gastronomen sorgt die Reform jedenfalls für Unmut. Franz Letica, Vorsitzender des Gastronomenverbands Zagreb, warnte laut kroatischen Medien vor "skurrilen Szenen" am Tisch und Verwirrung bei den Gästen.
Auch der zusätzliche Aufwand sorgt für Kritik. Speisekarten, Preislisten und Werbetafeln müssen entsprechend angepasst werden. Bei häufigen Preisänderungen bedeutet das für Betriebe zusätzlichen organisatorischen Aufwand.
Die Debatte kommt nicht von ungefähr. Kroatien hatte in den vergangenen Jahren mit deutlich steigenden Preisen zu kämpfen. Nach Angaben des kroatischen Statistikamts sind die Preise im Tourismus zwischen 2015 und 2024 um rund 70 Prozent gestiegen. Gleichzeitig liegt die Inflation im Land weiterhin vergleichsweise hoch.
Auch die Einführung des Euro wurde von Kritikern als Zeitpunkt genannt, an dem manche Gastronomen ihre Preise deutlich anhoben.