Ein paar Klicks, schon ist die Bestellung abgeschickt. Bezahlt wird erst Wochen später. Was für viele Österreicher beim Online-Shopping längst selbstverständlich ist, wird ab November stärker reguliert. Eine neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie bringt strengere Vorschriften für Zahlungsaufschübe, Kleinkredite und sogenannte "Buy now, pay later"-Angebote.
Betroffen sind damit auch Einkäufe um vergleichsweise kleine Beträge. Denn künftig fallen grundsätzlich auch Kredite unter 200 Euro unter die neuen Verbraucherschutzbestimmungen.
Die Folgen könnten Kunden bereits beim Bezahlen im Online-Shop bemerken. Anbieter müssen bei erfassten Finanzierungen die Kreditwürdigkeit prüfen und dürfen einen Zahlungsaufschub unter Umständen nicht mehr gewähren. Amazon hat auf die neuen Vorgaben bereits reagiert und schafft seine bisherige Monatsabrechnung ab.
Besonders bemerkbar machen könnten sich die Änderungen beim Bezahlen. Wer bislang problemlos auf Rechnung einkaufen konnte, könnte künftig feststellen, dass diese Möglichkeit nicht mehr zur Verfügung steht.
Der Grund sind strengere Bonitätsprüfungen, die bei den von der neuen Regelung erfassten Finanzierungen vorgeschrieben werden. Dabei wird geprüft, ob ein Kunde finanziell in der Lage ist, seine offenen Rechnungen zu begleichen. Fällt das Ergebnis negativ aus, darf der entsprechende Kredit nicht gewährt werden.
Wie Christian Giehler, Österreich-Chef der Inkassogruppe coeo, gegenüber dem "Kurier" erklärt, könnten Kunden künftig häufiger erleben, dass ihnen eine bestimmte Zahlungsart nicht mehr angeboten oder diese abgelehnt wird. Unter Umständen werde stattdessen eine andere Bezahlmöglichkeit vorgeschlagen.
Für Konsumenten bedeutet das: Eine bisher verfügbare Zahlungsoption muss bei der nächsten Bestellung nicht automatisch wieder angeboten werden.
Die neuen Vorschriften zeigen schon vor ihrem Inkrafttreten Auswirkungen. Online-Riese Amazon hat angekündigt, die Zahlungsoption der Monatsabrechnung abzuschaffen. Mit diesem Modell konnten Kunden ihre Einkäufe gesammelt zu einem späteren Zeitpunkt bezahlen, statt jede Bestellung sofort einzeln abzurechnen. Die Entscheidung zeigt, dass sich Online-Händler bereits auf die strengeren gesetzlichen Anforderungen einstellen.
Dabei wird der Einkauf auf Rechnung keineswegs grundsätzlich verboten. Welche Regeln gelten, hängt unter anderem davon ab, wer den Zahlungsaufschub anbietet, wie lange das Zahlungsziel ist und ob zusätzliche Kosten anfallen.
Für viele Konsumenten dürfte eine Erkenntnis besonders überraschend sein: Ein kleiner Einkauf auf Rechnung kann rechtlich eine Form der Kreditfinanzierung darstellen. Wer beispielsweise Kleidung um 80 Euro bestellt und erst Wochen später bezahlen muss, erhält zunächst einen Zahlungsaufschub. Bislang waren zahlreiche solcher Modelle von den klassischen Kreditvorschriften ausgenommen. Das ändert sich nun für viele Angebote.
Laut Giehler ist vielen Österreichern gar nicht bewusst, dass auch der Rechnungskauf wirtschaftlich einem Kleinkredit entsprechen kann. Mit einem Kredit verbinden die meisten Menschen eher eine Immobilienfinanzierung, ein geleastes Auto oder eine teure Anschaffung. Dass auch beim gewöhnlichen Online-Shopping eine ähnliche Finanzierung dahinterstecken kann, werde häufig unterschätzt.
Für Kunden könnten die neuen Regeln auch bedeuten, dass beim Einkauf mehr Informationen über ihre finanzielle Situation berücksichtigt werden. Große Anbieter von Zahlungsaufschüben nutzen teilweise bereits heute Bonitätsprüfungen. Künftig werden diese für weitere erfasste Finanzierungen verpflichtend. Dabei können Unternehmen Informationen von Kreditauskunfteien einholen. In Österreich spielen etwa der KSV, CRIF und Creditreform eine Rolle.
Die Abfragen können direkt während des Bestellvorgangs stattfinden und innerhalb weniger Sekunden verarbeitet werden. So kann im Hintergrund entschieden werden, ob eine bestimmte Bezahlmethode angeboten wird.
Die neuen Vorschriften enthalten allerdings auch Regeln für den Umgang mit Kundendaten und automatisierte Entscheidungen. Konsumenten erhalten bei entsprechenden automatisierten Kreditwürdigkeitsprüfungen zusätzliche Informationsrechte sowie ein Recht auf menschliches Eingreifen.
Allerdings bedeutet die Reform nicht, dass künftig bei jedem gewöhnlichen Rechnungskauf automatisch eine umfassende Kreditprüfung notwendig wird. Das neue österreichische Verbraucherkreditgesetz sieht ausdrücklich Ausnahmen vor. Dazu gehören unter bestimmten Voraussetzungen zins- und gebührenfreie Zahlungsaufschübe, bei denen der Händler selbst die spätere Zahlung ermöglicht und kein Dritter als Kreditgeber beteiligt ist.
Für große Online-Händler gelten dabei besonders enge Voraussetzungen. Unter anderem kann eine Zahlungsfrist von höchstens 14 Tagen entscheidend sein. Bei anderen Händlern können abhängig von den gesetzlichen Bedingungen auch längere Zahlungsfristen ausgenommen bleiben. Es kommt daher auf die konkrete Gestaltung des Angebots an. Ein Rechnungskauf ist nicht automatisch mit einem regulierten Kredit gleichzusetzen.
Ein weiteres Ziel der Reform ist mehr Transparenz bei den tatsächlichen Kosten. Gerade rund um große Rabattaktionen wie den Black Friday werben Anbieter häufig mit besonders bequemen Zahlungsmöglichkeiten. Wer erst später zahlen muss, hat zunächst das Gefühl, beim Einkauf finanziell entlastet zu werden. Doch nicht jedes Angebot ist tatsächlich kostenlos. Teilweise fallen nach Ablauf bestimmter Fristen Zinsen oder Gebühren an.
Genau hier sollen die neuen Regeln ansetzen. Irreführende Werbung und unklare Kostenangaben werden stärker eingeschränkt. Auch Warnhinweise und Informationspflichten spielen künftig eine größere Rolle. Ein Angebot darf nicht als kostenlos dargestellt werden, wenn dafür tatsächlich Kosten anfallen.
Hinter der Reform steckt auch die Sorge vor einer zunehmenden Überschuldung durch kleine Online-Einkäufe. Denn nicht immer ist es eine einzige große Anschaffung, die Menschen finanziell in Schwierigkeiten bringt. Häufig sind es viele kleine Bestellungen, die sich über mehrere Wochen ansammeln.
Laut Giehler liegen Einkäufe im Bereich "Buy now, pay later" durchschnittlich bei etwa 80 bis 100 Euro. Ein einzelner Einkauf um diesen Betrag erscheint überschaubar. Werden allerdings mehrere Bestellungen kurz hintereinander getätigt, kann die Gesamtsumme rasch steigen. Besonders problematisch wird es, wenn verschiedene Zahlungsziele zusammenfallen.
Wer mehrere Rechnungen erst in 30 Tagen bezahlen muss, verliert möglicherweise den Überblick darüber, welche Beträge noch offen sind. Auch Retouren können zusätzliche Unübersichtlichkeit verursachen, wenn Rechnungen und Rückerstattungen zeitlich auseinanderfallen.
Wie schnell sich offene Zahlungen summieren, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel. Vier Bestellungen zu jeweils 90 Euro ergeben bereits 360 Euro. Kommen weitere Einkäufe hinzu, steigt der Betrag entsprechend. Was beim Bestellen zunächst nach mehreren kleinen Ausgaben aussieht, kann am Monatsende zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.
Genau deshalb soll künftig genauer geprüft werden, ob zusätzliche Zahlungsverpflichtungen für Konsumenten tragbar sind. Die strengeren Regeln sollen verhindern, dass Menschen immer weitere Finanzierungen erhalten, obwohl sie bereits Schwierigkeiten bei der Rückzahlung haben.
Die Reform bringt allerdings nicht nur zusätzliche Kontrollen, sondern auch neue Schutzbestimmungen. Für erfasste Verbraucherkreditverträge werden unter anderem Informationspflichten und Rücktrittsrechte gestärkt.
Zusätzlich gibt es strengere Vorgaben gegen überhöhte Kosten und missbräuchliche Kreditbedingungen. Auch bei Zahlungsproblemen müssen Kreditgeber stärker Rücksicht nehmen.
Bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden, sollen angemessene Maßnahmen zur Entlastung beziehungsweise Nachsicht geprüft werden. Damit sollen Schwierigkeiten bei der Rückzahlung nicht unnötig verschärft werden.
Neben dem klassischen Rechnungskauf sind auch Ratenzahlungen Teil der Diskussion. Dabei wird eine Anschaffung nicht auf einmal, sondern in mehreren Teilbeträgen bezahlt. Nach Einschätzung von Giehler haben solche Modelle in den vergangenen Jahren stark zugenommen.
Innerhalb des von ihm beschriebenen "Buy now, pay later"-Bereichs machen klassische Ratenmodelle allerdings nur einen vergleichsweise kleinen Teil aus. Er spricht von rund fünf Prozent. Auch hier sollen die neuen Regeln dafür sorgen, dass Konsumenten über Kosten und Verpflichtungen besser informiert werden und Kreditgeber die Zahlungsfähigkeit ausreichend berücksichtigen.
Die österreichischen Umsetzungsvorschriften werden am 20. November 2026 anwendbar. Bis dahin haben betroffene Unternehmen noch Zeit, ihre Angebote und Abläufe auf die neuen Anforderungen einzustellen.
Für Online-Shopper dürften vor allem drei Veränderungen im Alltag sichtbar werden: mehr Informationen über mögliche Kosten, strengere Kontrollen bei bestimmten Zahlungsmethoden und möglicherweise eine kleinere Auswahl an Möglichkeiten, erst später zu bezahlen.
Der Rechnungskauf verschwindet dadurch nicht generell aus Österreich. Doch die Zeiten, in denen Zahlungsaufschübe bei kleinen Beträgen weitgehend außerhalb der üblichen Kreditregeln angeboten werden konnten, gehen für viele Modelle zu Ende.