Österreichs Wirtschaft dürfte 2026 wieder wachsen. Für viele Menschen bedeutet das aber keine finanzielle Entlastung. Die neue Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zeigt, wie stark hohe Energiepreise, die anhaltende Teuerung und schwache Reallöhne den Alltag belasten. Auch für die kommenden Jahre bleiben die Aussichten durchwachsen.
Das WIFO erwartet für heuer ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. 2027 soll es auf 1,3 Prozent steigen. Gleichzeitig rechnet das Institut für 2026 mit einer Inflation von 3,3 Prozent. Erst im kommenden Jahr soll sie auf 2,6 Prozent zurückgehen. Damit bleiben die Preise ein wesentlicher Belastungsfaktor für die Haushalte.
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr ordnete am Mittwochabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf ein. "Ein Prozentpunkt wird das schon sein", so Felbermayr dazu, wie viel man von der 3,3-Prozent-Inflation US-Präsident Donald Trump verdanke. Treiber seien die Öl- und Gasteuerungen durch die Situation im Nahen Osten. Die gute Nachricht sei, dass es leichtes Wirtschafts-Wachstum gebe, aber der Staat müsse sparen, das bremse die Entwicklung. "Österreich kann langfristig nicht viel mehr wachsen als ein Prozent", so Felbermayr.
Besonders deutlich zeigt sich die angespannte Lage beim privaten Konsum. Laut WIFO dürfte dieser 2026 lediglich um 0,4 Prozent zulegen. Wenn Einkommen langsamer steigen als die Preise, verlieren die Menschen an Kaufkraft. Viele Haushalte müssen daher vorsichtiger mit ihrem Geld umgehen.
Auch die Sparquote soll sinken. Während private Haushalte 2025 noch 9,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zurücklegten, erwartet das WIFO für 2026 nur noch 8,4 Prozent. Bis 2031 könnte der Anteil auf 7,6 Prozent fallen.
Die Inflation belaste die Österreicher, so der Experte. Dazu komme, dass die Netto-Löhne nicht so stark steigen würden wie die Bruttolöhne, diese Situation dürfte sich erst nächstes Jahr etwas entspannen, so Felbermayr. Das große Aber: Eine Steigerung der Löhne bedeute das nicht, eher eine Stagnation – die immerhin besser sei als eine Schrumpfung.
Einen Hoffnungsschimmer sieht das WIFO in der Industrie. Nach den schwachen Wirtschaftsjahren 2023 und 2024 soll sie heuer eine wichtigere Rolle beim Wachstum übernehmen. Die österreichischen Exporte dürften 2026 um 2,3 Prozent steigen.
Allerdings hängt die weitere Entwicklung stark von der Nachfrage aus dem Ausland und den Energiepreisen ab. Der Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus haben Erdöl, Erdgas und Strom verteuert. Das belastet energieintensive Betriebe und erschwert ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Die Industrie produziere zwar mehr, "aber die Preise, die die Industrie international verrechnen kann, steigen nicht so stark wie der Verbraucherpreisindex", so Felbermayr. "Der Konsum leidet auch unter der relativ hohen Arbeitslosigkeit", die nur langsam sinken werde. "Für Branchen, die stark am privaten Konsum hängen, ist noch keine Entspannung in Sicht."
Auch am Arbeitsmarkt dürfte die Entlastung auf sich warten lassen. Zwar soll die Zahl der unselbstständig Beschäftigten 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 0,7 Prozent steigen. Weil zugleich das Arbeitskräfteangebot wächst, erwartet das WIFO für heuer dennoch eine Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent. Erst 2027 soll sie auf 7,3 Prozent zurückgehen.
Für die Staatsfinanzen sieht das Institut ebenfalls Herausforderungen. Von 2026 bis 2031 könnte das durchschnittliche Budgetdefizit 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Die Staatsschulden könnten bis 2031 auf 89 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen.
"Wir sind nicht optimistisch, was die Entwicklung der langfristigen Zinsen angeht", so Felbermayr dazu, dass das WIFO von einem Budgetdefizit von rund vier Prozent ausgeht, es von der Regierung allerdings heiße, man liege "im Plan". "Es sind vor allem die Zinsen, die den Sparkurs des Finanzministers jetzt einen sehr steilen und schwierigen machen", so der Experte.
Die Prognose zeigt damit ein widersprüchliches Bild: Österreichs Wirtschaft dürfte langsam wachsen, doch hohe Preise und strukturelle Probleme bremsen die Erholung. Ob der Aufschwung auch bei den Menschen ankommt, hängt wesentlich davon ab, wie sich Inflation, Löhne, Energiepreise und Beschäftigung entwickeln.