Die Österreicher wollen sparen, doch immer mehr Menschen fehlt schlichtweg das Geld dazu. Das zeigt die aktuelle Sparstudie von Erste Bank und Sparkassen. Besonders dramatisch: Obwohl Sparen so wichtig ist wie seit Jahren nicht mehr, sinken die Beträge, die tatsächlich auf die Seite gelegt werden können.
Für die Untersuchung haben die Meinungsforscher von Imas insgesamt 1.382 Personen zwischen 16 und 76 Jahren in Österreich befragt. Die Ergebnisse zeigen, wie stark sich das Sparverhalten verändert hat.
Für 83 Prozent der Befragten ist Sparen zwar sehr oder ziemlich wichtig – der höchste Wert seit 2014. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine immer größere Lücke. Bereits 33 Prozent der Österreicher geben an, dass ihnen am Monatsende kein Geld mehr zum Sparen übrigbleibt. Das sind um vier Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr.
Wer dennoch noch Geld zur Seite legen kann, spart im Durchschnitt 306 Euro monatlich. Das sind um 14 Euro weniger als noch im vergangenen Jahr. Rechnet man die Inflation heraus, liegt der Sparbetrag laut Studie real in etwa auf dem Niveau von 2016.
Dementsprechend wächst die Unzufriedenheit: Nur noch 34 Prozent der Sparerinnen und Sparer sind mit ihrem Sparbetrag sehr oder ziemlich zufrieden. Im Vorjahr waren es noch 39 Prozent. Auch das ist der schlechteste Wert seit 2014.
Besonders groß fallen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aus. Während Männer durchschnittlich 384 Euro pro Monat zur Seite legen, sind es bei Frauen lediglich 227 Euro. Damit sparen Frauen im Schnitt rund 40 Prozent weniger als Männer.
"Viele legen nach wie vor Geld zur Seite, haben aber das Gefühl, dass es nicht reicht", erklärt Erste-Bank-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller. Umso wichtiger sei es, das vorhandene Geld bewusst einzusetzen, so die Bankerin. Wenn regelmäßig zur Seite gelegt, würden auch kleine Beträge einen Unterschied machen.
Auch bei der Frage, wo die Österreicher ihr Geld aufbewahren, gibt es deutliche Veränderungen. Mit 70 Prozent bleibt zwar das klassische Sparbuch bzw. Sparkonto die beliebteste Sparform. Allerdings gewinnen Wertpapiere zunehmend an Bedeutung.
Mittlerweile investieren 40 Prozent der Befragten in Wertpapiere, nach 38 Prozent im Vorjahr. Damit haben Aktien und andere Wertpapiere erstmals das traditionelle Bausparen überholt. Der Bausparer verliert nämlich, auch das zeigt die Umfrage, zunehmend an Beliebtheit. Während 2025 noch 43 Prozent diese Sparform nutzten, sind es heuer nur noch 34 Prozent.
Auch Gold und andere Edelmetalle werden beliebter. Hier steigt der Anteil von 24 auf 30 Prozent. Kryptowährungen legen von zwölf auf 15 Prozent zu.
Bemerkenswert ist auch, dass viele ihr Erspartes auf dem Konto liegen lassen, wo es kaum Erträge abwirft. 52 Prozent nutzen demnach ihr Girokonto auch zum Sparen. Bei der Generation Z, also den Geburtsjahrgängen 1995 bis 2009, sind es sogar 65 Prozent. Ein Viertel der Österreicher bewahrt Erspartes sogar zu Hause oder in einem Tresor auf.
Erste-Bank-Privatkundenvorstand Maximilian Clary und Aldringen rät davon ab, größere Ersparnisse dauerhaft auf dem Girokonto liegenzulassen. "Das Girokonto ist ein Konto für den Alltag, kein Sparkonto", erklärt er.
Als Reserve für unerwartete Ausgaben sollten dort höchstens drei Monatsgehälter liegen. Darüber hinausgehende Beträge könnten kurzfristig auf Sparkonten und langfristig etwa in Wertpapieren angelegt werden.
Besonders bei den Jüngeren verändert sich das Sparverhalten. Unter jenen Befragten, die bereits Wertpapiere besitzen, greifen immer mehr zu börsengehandelten Fonds, den sogenannten ETFs.
Der Anteil der ETF-Nutzer unter den Wertpapierbesitzern ist binnen eines Jahres von 38 auf 50 Prozent gestiegen. In der Generation Z liegt er sogar bei 72 Prozent. Aktien bleiben mit 66 Prozent allerdings die am häufigsten genutzte Wertpapierform.
Der wichtigste Grund, Geld auf die Seite zu legen, ist die finanzielle Sicherheit. 91 Prozent (2025: 84 Prozent) der Sparer wollen für Notfälle vorsorgen. Weitere 77 Prozent (2025: 69 Prozent) sparen für ihre finanzielle Absicherung und Vorsorge, 73 Prozent (2025: 65 Prozent) für ihre finanzielle Unabhängigkeit.
Auch die nächste Generation spielt eine wichtige Rolle: 43 Prozent der Sparer legen Geld für ihre Kinder zurück, weitere 20 Prozent für Enkel, Patenkinder oder andere nahestehende Kinder.