Konsum schwach, Preise steigen

Neue WIFO-Zahlen – das kommt auf alle Österreicher zu

Österreichs Wirtschaft erholt sich langsam. Doch steigende Energiepreise und sinkende Reallöhne belasten die Haushalte. Das WIFO warnt.
14.10.2026, 15:00
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Österreichs Wirtschaft kommt langsam wieder in Schwung – doch bei den Menschen im Land dürfte davon vorerst wenig ankommen. Während die Industrie von einer steigenden Nachfrage aus dem Ausland profitiert, belasten hohe Energiepreise und sinkende Reallöhne die privaten Haushalte. Die neue Wirtschaftsprognose des WIFO zeigt: Auch 2026 bleibt für viele Österreicher finanziell ein schwieriges Jahr.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut rechnet heuer mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Für 2027 werden 1,3 Prozent erwartet. Gleichzeitig bleibt die Inflation hoch und die Arbeitslosigkeit steigt zunächst weiter.

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Reallöhne sinken – Konsum bleibt schwach

Besonders deutlich zeigt sich die angespannte Lage beim privaten Konsum. Dieser dürfte 2026 lediglich um 0,4 Prozent wachsen. Der Grund: Die Reallöhne sinken. Das bedeutet, dass die Einkommen unter Berücksichtigung der Teuerung an Kaufkraft verlieren.

Die Reallöhne sinken und drücken damit auf die Konsumfreudigkeit
WIFO

Zusätzlich sorgt die wirtschaftliche Unsicherheit dafür, dass viele Haushalte bei ihren Ausgaben vorsichtig bleiben.

Die Inflation wird laut WIFO 2026 bei 3,3 Prozent liegen. Im kommenden Jahr soll sie auf 2,6 Prozent zurückgehen. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2028 dürfte die Teuerung wieder das Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank erreichen.

Energiepreise setzen Wirtschaft unter Druck

Ein wesentlicher Belastungsfaktor sind die erneut gestiegenen Energiepreise. Der Krieg im Nahen Osten und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus haben die Preise für Erdöl, Erdgas und Strom kräftig steigen lassen. Anders als beim Energiepreisschock 2022 trifft die aktuelle Entwicklung Österreich in einer Phase ohnehin schwacher Kaufkraft.

Besonders energieintensive Industriebetriebe stehen dadurch unter Druck. Auch die weiterhin hohen Lohnstückkosten erschweren den Wettbewerb mit ausländischen Unternehmen. Trotzdem rechnet das WIFO damit, dass die Industrie heuer zum wichtigsten Wachstumstreiber wird.

Industrie sorgt für Hoffnungsschimmer

Nach den wirtschaftlich schwachen Jahren 2023 und 2024 verändert sich die Zusammensetzung des Wachstums. Während bisher vor allem öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit die Konjunktur gestützt haben, übernimmt nun zunehmend die Industrie diese Rolle. Die österreichischen Exporte dürften 2026 um 2,3 Prozent zulegen.

Das WIFO rechnet damit, dass die Industrie heuer zum wichtigsten Wachstumstreiber wird.
WIFO

"2026 löst die Industrie den öffentlichen Bereich als Wachstumsträger ab; die weitere Entwicklung der Industriewertschöpfung ist allerdings von der Auslandsnachfrage und den Energiepreisen abhängig", erklärt WIFO-Ökonom Christian Glocker.

2027 sollte die wirtschaftliche Erholung auch stärker im Inland ankommen. Erstmals seit fünf Jahren könnten die Bauinvestitionen wieder steigen. Zudem erwartet das Institut leicht wachsende Bruttoreallöhne pro Kopf.

Arbeitslosigkeit steigt zunächst weiter

Auf dem Arbeitsmarkt macht sich die Erholung allerdings erst verzögert bemerkbar. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten soll 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 0,7 Prozent steigen. Gleichzeitig wächst das Arbeitskräfteangebot, unter anderem durch Zuwanderung. Deshalb dürfte die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung heuer auf 7,6 Prozent steigen.

Erst 2027 erwartet das WIFO einen Rückgang der Arbeitslosenquote.
WIFO

Erst 2027 erwartet das WIFO einen Rückgang auf 7,3 Prozent. Bis 2031 könnte die Quote unter günstigen Voraussetzungen auf 5,8 Prozent sinken.

Staatsschulden steigen auf 89 Prozent

Auch die langfristigen Aussichten für Österreichs Staatsfinanzen bleiben angespannt. Das WIFO erwartet für den Zeitraum von 2026 bis 2031 ein durchschnittliches Budgetdefizit von 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Damit würde Österreich weiterhin deutlich über der europäischen Drei-Prozent-Grenze liegen.

Das WIFO erwartet für den Zeitraum von 2026 bis 2031 ein durchschnittliches Budgetdefizit von 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung.
WIFO

Die Staatsschulden könnten bis 2031 auf 89 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen. Gleichzeitig verteuern höhere langfristige Zinssätze die Finanzierung der Schulden. Um das Maastricht-Ziel wieder einzuhalten, wären laut WIFO ab 2029 zusätzliche Einsparungen oder Einnahmen im Ausmaß von mindestens einem Prozent der Wirtschaftsleistung notwendig.

Österreich wächst langsamer als der Euro-Raum

Auch mittelfristig bleibt die Wirtschaft mit strukturellen Problemen konfrontiert. Neben den hohen Energie- und Arbeitskosten nennt das WIFO unter anderem die vergleichsweise geringe Erwerbsbeteiligung älterer Menschen und Herausforderungen bei der Integration von Migranten in Bildung und Arbeitsmarkt.

Österreichs Wirtschaft erholt sich zwar, doch steigende Preise, schwache Kaufkraft und die schwierige Budgetsituation bremsen den Aufschwung weiterhin.
WIFO

Das Wirtschaftswachstum dürfte deshalb auch in den kommenden Jahren verhalten bleiben. Die zentrale Botschaft der Prognose: Österreichs Wirtschaft erholt sich zwar, doch steigende Preise, schwache Kaufkraft und die schwierige Budgetsituation bremsen den Aufschwung weiterhin.

Österreicher sparen immer weniger

Auch die Sparquote der privaten Haushalte soll in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Während 2025 noch 9,7 Prozent des verfügbaren Einkommens gespart wurden, erwartet das WIFO für 2026 nur noch 8,4 Prozent. Bis 2031 könnte dieser Anteil auf 7,6 Prozent sinken.

Gleichzeitig bleibt die Kaufkraft unter Druck. Für 2026 prognostizieren die Wirtschaftsforscher sogar einen leichten Rückgang der realen Wirtschaftsleistung pro Kopf. Erst in den Folgejahren dürfte sich die Situation allmählich verbessern.

red, 14.10.2026, 15:00
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