Italien will seine Integrationsregeln an den Schulen deutlich verschärfen. Nach dem geplanten Verbot von Burka und Nikab und einer möglichen Obergrenze für ausländische Schüler soll nun auch eine Sprachpflicht für bestimmte Eltern kommen. Eltern ausländischer Schüler, die laut Regierung erhebliche Schwierigkeiten bei der Integration in das italienische Schulsystem haben, sollen künftig Italienisch lernen müssen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte die Maßnahme am Sonntag bei einer Veranstaltung der Jugendorganisation ihrer Partei Fratelli d’Italia in Rom an.
Meloni stellte die geplante Sprachpflicht in einen größeren Zusammenhang. Wer nach Italien komme und dort seine Zukunft aufbauen wolle, müsse die Sprache lernen, die Kultur verstehen und die Regeln des Landes respektieren, erklärte die Regierungschefin. Die geplante Regelung soll allerdings nicht pauschal für alle ausländischen Eltern gelten. Im Mittelpunkt stehen Familien, bei deren Kindern es nach Einschätzung der Regierung erhebliche Schwierigkeiten bei der schulischen Integration gibt.
Wie genau die Regelung funktionieren soll, ist derzeit noch offen. Noch ist nicht geklärt, ab wann bei einer Familie von erheblichen Integrationsproblemen gesprochen wird, wer dies feststellt und welche konkreten Sprachkurse Eltern absolvieren müssten. Auch mögliche Folgen, wenn Eltern einer solchen Verpflichtung nicht nachkommen, wurden bislang nicht genannt. Meloni kündigte lediglich an, dass eine entsprechende Maßnahme demnächst dem Ministerrat vorgelegt werden soll.
Ganz neu ist die Idee innerhalb der italienischen Regierung allerdings nicht. Bildungsminister Giuseppe Valditara hatte bereits Ende August vorgeschlagen, Italienischunterricht für Eltern ausländischer Schüler verpflichtend zu machen, wenn deren Kinder in der Schule Probleme haben. Damals begründete er den Vorstoß unter anderem damit, dass das, was Kinder in der Schule lernen, nicht zu Hause verloren gehen dürfe. Außerdem sei es wichtig, dass Eltern die Sprache beherrschen und mit Lehrern kommunizieren können.
Damit richtet sich der Vorstoß nicht nur auf den Unterricht selbst. Die Regierung will offenbar auch die Kommunikation zwischen Schule und Eltern verbessern. Gerade wenn Eltern nur eingeschränkt Italienisch sprechen, kann der Austausch mit Lehrern schwieriger werden. Valditara argumentierte bereits im August, dass es zu viele Eltern ausländischer Kinder gebe, die nicht ausreichend mit der Schule in Kontakt stünden.
Die Sprachpflicht ist Teil eines größeren Pakets, das Meloni für Italiens Schulen angekündigt hat. Gleichzeitig soll die Zahl ausländischer Schüler pro Klasse begrenzt werden. Eine konkrete Zahl nannte die Ministerpräsidentin bei ihrer Ankündigung allerdings nicht. Bildungsminister Valditara hatte zuvor auf eine bereits bestehende Vorgabe verwiesen, wonach grundsätzlich höchstens 30 Prozent der Schüler einer Klasse keine italienische Staatsbürgerschaft haben sollen. Diese Vorgabe werde derzeit nicht ausreichend umgesetzt und solle deshalb gesetzlich verbindlicher werden.
Auch das geplante Verbot von Burka und Nikab an Schulen gehört zu dem Maßnahmenpaket. Meloni sagte dazu, in der Schule müsse das Gesicht sichtbar sein. Das geplante Verbot bezieht sich nach ihren bisherigen Aussagen auf die vollständige beziehungsweise weitgehende Gesichtsverhüllung. Ein allgemeines Verbot des islamischen Kopftuchs, bei dem das Gesicht sichtbar bleibt, kündigte sie dabei nicht an.
Noch handelt es sich bei den Maßnahmen um Pläne. Die Regierung muss die entsprechenden Vorschläge zunächst beschließen. Danach wäre für eine gesetzliche Umsetzung die Zustimmung des Parlaments notwendig. Bis dahin können sich Details noch ändern.
Für die betroffenen Familien wäre die geplante Sprachregelung dennoch ein deutlicher Schritt: Nicht nur Kinder sollen sich im italienischen Schulsystem integrieren, sondern auch ihre Eltern sollen dafür stärker in die Pflicht genommen werden.