Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich zunehmend auf das Reiseverhalten der Österreicherinnen und Österreicher aus – auch dort, wo man es auf den ersten Blick nicht erwarten würde. Sicherheitsbedenken und eine generell gestiegene Sensibilität gegenüber geopolitischen Risiken führen dazu, dass Destinationen neu bewertet werden.
Während klassische Mittelmeerziele insgesamt zulegen, zeigt sich ausgerechnet bei einer der beliebtesten Inseln Griechenlands eine auffällige Zurückhaltung: Kreta ist aktuell deutlich schwerer zu verkaufen als noch in den Jahren zuvor.
"Kreta erlebt seit sechs Wochen eine Art Buchungsstopp", sagt Martin Fast, Geschäftsführer von Dertour Österreich. Die Ursachen liegen nicht in der Destination selbst, sondern im sicherheitspolitischen Umfeld. Der Nahost-Krieg hat die Wahrnehmung der gesamten Region verändert.
Ein konkreter Faktor dürfte der Insel hier übel mitspielen: "Hintergrund ist, dass auf Kreta ein großer amerikanischer Militärstützpunkt ist, in Souda, in der Nähe von Chania", erklärt Fast. "Und da ist man offensichtlich etwas zurückhaltender, was Neubuchungen betrifft."
Dennoch ist Griechenland, nachdem es bereits im Vorjahr zu den Top-Destinationen der Österreicher zählte, auch diesen Sommer wieder eines der gefragtesten Urlaubsziele. Viele Urlauber bevorzugen heuer kürzere und unkompliziertere Anreisen. Mittelmeer-Destinationen wie Italien, Spanien oder Portugal zählen zu den großen Gewinnern der Entwicklung im Nahen Osten. Italien etwa, traditionell ein Favorit der Österreicherinnen und Österreicher, liegt "aktuell bei zehn Prozent plus", so Fast.
„Wurde immer unterschätzt.“
Hervor sticht jedoch vor allem der Aufstieg Bulgariens. "Das ist ein Land, das mich persönlich besonders freut, weil es immer unterschätzt wurde", sagt Fast. Nach den Einbrüchen infolge des Ukraine-Krieges kehrt das Vertrauen der Urlauber zurück.
Die Zahlen sprechen für sich: "Wir liegen dort bei weit über 80 Prozent im Plus im Vergleich zum Vorjahr." Neben gestiegenen Kapazitäten spielt auch die veränderte Wahrnehmung eine Rolle. "Die Skepsis wegen des Ukraine-Kriegs, nicht nach Bulgarien zu fahren, hat sich offensichtlich gelegt."
Das Land punktet vor allem mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis und einer verbesserten Anbindung. Für viele Österreicher wird es damit zur ernsthaften Alternative zu klassischen Mittelmeerzielen.