Der Herbst ist da, doch die erhoffte Entspannung bleibt aus. Österreichs Flüsse führen weiterhin außergewöhnlich wenig Wasser. Besonders dramatisch ist die Situation in Niederösterreich.
Im September verzeichneten österreichweit mehr als 80 Prozent der ausgewerteten Flusspegel sehr niedrige Abflüsse. Gleichzeitig lagen knapp 90 Prozent der Grundwassermessstellen im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich.
In Niederösterreich stechen gleich mehrere Flüsse heraus. Besonders extrem ist die Lage an der Leitha bei Deutsch Haslau. Dort floss im September im Schnitt um 93 Prozent weniger Wasser als im langjährigen Monatsmittel.
Kaum besser schaut es an der Thaya bei Raabs aus. Dort fehlten 89 Prozent der üblichen Wassermenge. Beim Kamp in Zwettl lag das Minus bei 85 Prozent. Die March bei Angern führte um 79 Prozent weniger Wasser als im langjährigen September-Mittel. Damit gehören mehrere niederösterreichische Pegel zu den auffälligsten in ganz Österreich.
Der WWF warnt vor erheblichen Folgen für Tiere und Pflanzen. "Der anhaltende Wassermangel setzt unsere Gewässer und ihre Artenvielfalt massiv unter Druck", erklärt WWF-Expertin Bettina Urbanek.
Die Naturschutzorganisation fordert von Bund und Ländern ein österreichweites Niedrigwasser-Schutzprogramm. In besonders gefährdeten Flüssen müsse ausreichend Restwasser verbleiben. In Trockenphasen sollen zudem Wasserentnahmen klar beschränkt werden.
Langfristig sollen laut WWF auch natürliche Wasserspeicher wiederhergestellt werden. Dazu sollen Nebenarme und Auen erneut mit Flüssen verbunden, Ufergehölze erhalten und geschädigte Feuchtgebiete renaturiert werden. Dadurch könne Wasser länger in der Landschaft bleiben. Gleichzeitig entstehen Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen.
Der Wassermangel ist allerdings längst kein reines Ostösterreich-Problem. Auch in anderen Bundesländern wurden im September massive Defizite gemessen. An der Bregenzerach in Vorarlberg fehlten 78 Prozent der üblichen Wassermenge, an der Traun bei Wels 70 Prozent.