Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame in Paris verschärft ihre Besucherregeln. Seit 1. Juli dürfen Fremdenführer Gruppen nicht mehr spontan durch das Gotteshaus begleiten. Stattdessen müssen Zeitfenster im Voraus reserviert werden – und die sind innerhalb kürzester Zeit vergeben.
Die Folge: Zahlreiche bereits gebuchte Führungen mussten abgesagt werden. Betroffen sind vor allem Familien und Individualreisende, die ihre Paris-Reise erst kurzfristig planen.
Seit der Wiedereröffnung Ende 2024 nach dem verheerenden Brand erlebt Notre-Dame einen wahren Besucheransturm. Mehr als elf Millionen Menschen besichtigten die Kathedrale im Jahr 2025 – das entspricht rund 30.000 Gästen täglich.
Bisher wurden laut Diözese rund 500 Kleingruppen pro Tag von Guides begleitet. Künftig sollen es nur noch etwa 30 sein – ein Rückgang um rund 95 Prozent.
Bei den Fremdenführern sorgt die neue Regelung für massiven Unmut. Viele mussten ihre Sommerführungen absagen und bereits bezahlte Beträge an Kunden zurücküberweisen.
Der französische Berufsverband der Fremdenführer kritisiert, dass vor allem kleine Gruppen praktisch ausgeschlossen würden. Für viele selbstständige Guides bedeute die neue Regelung erhebliche Einkommensverluste. Auf andere Sehenswürdigkeiten auszuweichen sei kaum möglich, weil Notre-Dame für viele Paris-Besucher das wichtigste Reiseziel sei.
Die Verantwortlichen der Kathedrale verteidigen die Maßnahme. Notre-Dame sei in erster Linie ein Ort des Gebets. Gläubige hätten sich zuletzt immer häufiger durch die großen Touristengruppen gestört gefühlt.
Ein allgemeiner Eintritt soll dennoch weiterhin vermieden werden. Stattdessen setzt die Diözese auf ein Reservierungssystem, um den Besucherstrom besser zu lenken.
Die Guides bezweifeln allerdings, dass die neuen Regeln ihr Ziel erreichen. Ohne Reiseleiter würden sich Besucher oft schlechter orientieren und dadurch sogar mehr Lärm verursachen.
Zusätzlich sorgt die langfristige Planung für Kritik: Künftig sollen Zeitfenster bis zu drei Monate im Voraus gebucht werden. Für Reiseveranstalter sei das machbar, für Familien und Individualtouristen jedoch oft unrealistisch.