Der österreichischen Wirtschaft droht ein bitterer Platz im EU-Abseits: Laut der aktuellen Herbst-Konjunkturprognose der Europäischen Kommission liegt das Wachstum für 2026 gerade mal bei 0,9 Prozent. Damit übertrifft uns im negativen Sinn nur noch Irland mit 0,2 Prozent, während Italien bei 0,8 Prozent steht.
Verglichen mit dem EU-Durchschnitt liegt Österreich klar hinten. Für das laufende Jahr erwartet Brüssel für Österreich ein Wachstum von nur 0,3 Prozent, und für 2027 prognostiziert man lediglich 1,2 Prozent.
Das einzige bisschen Entspannung: Noch im Frühjahr war ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angedacht. Doch der Puffer gegenüber den europäischen Kollegen verringert sich weiter.
Neben dem mageren Wachstum fällt Österreich vorwiegend beim Budget auf: Das Defizit wird für 2025 mit satten 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung prognostiziert – weit über der zulässigen Grenze von 3 Prozent. Auch 2026 bleibt es mit 4,1 Prozent zu hoch, bevor es 2027 sogar wieder auf 4,3 Prozent steigen könnte.
Auch an anderer Stelle gibt es keine guten Aussichten. Bei den Verbraucherpreisen geht Österreich mit einer prognostizierten Inflation von 3,5 Prozent für 2025 erneut über dem EU-Durchschnitt von 2,5 Prozent beziehungsweise dem Eurozonenwert von 2,1 Prozent aus.
Für 2026 und 2027 werden Rückgänge auf 2,4 und 2,2 Prozent erwartet – immer noch außerhalb der Zielzone von zwei Prozent, die im Schnitt in der EU erreicht werden dürfte. Europaministerin Claudia Plakolm (ÖVP) forderte deshalb Entlastungen und Bürokratieabbau.
Doch warum kommt Österreich wirtschaftlich nicht vom Fleck? Das ordnete Gunter Deuber, der Chefanalyst der Raiffeisenbank International, am späten Montagabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf ein.
"Wir haben in Österreich ein Wachstum, das unter dem Potenzial auch liegt, das wir sonst in Europa haben", so Deuber. Die Faktoren, die sonst zum Aufschwung führen würden, würden dieses Mal "nicht anspringen", so der Analyst, die Exporte seien "deutlich geringer", zudem auch die Investitionen und der Konsum. "Es fehlt an Standort- und Wirtschaftsvertrauen."
"Alleine mit staatlicher Ausgabenpolitik" sei laut Deuber "nachhaltig kein Wirtschaftswachstum erzeugt werden". Dass auch die USA und Deutschland als wichtige Exportländer schwächeln würden, mache es laut dem Experten nicht leichter, vergessen dürfe man aber nicht, dass einige von Österreichs Nachbarländern trotzdem deutlich stärker wachsen würden.
"Wir haben natürlich ein Problem durch die Handelsverflechtung mit Deutschland", so Deuber, "aber wir sind auch gegenüber der deutschen Industrie, die es schwierig hat, nicht mehr preislich wettbewerbsfähig. Und das ist dann natürlich ein doppelter Gegenwind", so das Knallhart-Zeugnis des Experten.
In den Ländern, die es besser machen würde, gebe es starke Investitionen und ein "Zukunftsvertrauen in den Standort", zudem habe man in diesen Standorten "nicht die gleichen, überproportionalen Lohnsteigerungen gesehen wie in Österreich", so Deuber. "Und vor allem nicht mehr in Zusammenhang mit einer nicht mehr steigenden oder fallenden Produktivität."
"Wir können eigentlich sagen, wir müssen zurück zu Vor-Covid bei den Staatsausgaben", aber auch "bei der Beschäftigung", so Deuber. "Kurzfristig kann man in so einer Situation nichts mehr unternehmen", hieß es, es gehe um eine konsequente und stabile Standortpolitik für die kommenden drei bis vier Jahre.
Man müsse die Inflation "als Schmiermittel der Wirtschaft akzeptieren", so Deuber. "Einige Größen" etwa bei den Löhnen und den Staatsausgaben müssten dabei "geringer ansteigen als die Inflation", hieß es. Deutschland habe so etwas bereits vorgezeigt und es dauere drei bis vier Jahre, bis sich die Situation stabilisiert habe.
In Österreich gebe es das Problem, "dass es auch föderale Elemente gibt, die zum Budgetdefizit", so Deuber, was aber gerne in den Prognosen übersehen werde, dass die Statistiken die bereinigten Zahlen zeigen würden. Im Fall von Österreich bedeute dies: "Strukturschwächen jetzt kombiniert mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung schlagen natürlich doppelt zu."
"Wir werden in Österreich wahrscheinlich erst im Jahr 2027 wieder das BIP-Niveau, preisbereinigt, von 2022 erreichen, während die Eurozone schon fünf, sechs Prozent höher ist", so der Analyst.
"Der einzige Weg, die Staatsausgaben nachhaltig zu senken, ist, dass man auch Bereiche, in denen man keine Flexibilität hat, zumindest unter der Inflationsrate ansteigen lässt", so Deuber. Das sei die "weichere Variante" im Gegensatz zu harten Kürzungen. "Aber ich glaube, der Standort Österreich braucht auch Planbarkeit über die nächsten drei, vier Jahre" in Sachen Lohn und Pension, so der Analyst.