"Extra-Urlaub genießen"

Österreicher sitzen 11 Tage lang in Indien fest

Der Krieg im Iran bringt die Urlaubspläne durcheinander! Mehrere Steirer saßen im Ausland fest - teils mit enormen Zusatzkosten für die Heimreise.
André Wilding
16.03.2026, 10:09
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Der Krieg im Nahen Osten hat für zahlreiche Urlauber aus Österreich ein unerwartetes Ende ihrer Reisen gebracht. Gesperrte Lufträume, Raketenangriffe und abgesagte Flüge sorgten dafür, dass mehrere Steirer im Ausland festsaßen - teils tagelang und mit hohen Zusatzkosten.

Besonders dramatisch erlebten Anita und Rene Oblak aus Kalsdorf ihre Situation. Das Ehepaar befand sich auf einer Kreuzfahrt im Orient, als die Lage eskalierte. Statt der geplanten Rückreise endete der Flugversuch abrupt: "Wir sind noch mit dem Flieger gestartet, aber dann nach Doha umgekehrt und zurück zum Schiff gebracht worden", teilt das Paar in der "Kleinen Zeitung" mit.

Situation spitzte sich zu

Kurz darauf spitzte sich die Situation in der Region weiter zu. Israel und die USA hatten Angriffe auf den Iran gestartet, der Luftraum wurde gesperrt, Teheran antwortete mit Raketenangriffen in der Golfregion. Die Oblaks saßen mehrere Tage fest - mit mulmigem Gefühl. "Wenn an einem Tag vor dem Bullauge drei Kriegsschiffe in den Hafen einfahren, man Raketeneinschläge hört und zittert, ob nicht auch das eigene Schiff im Krieg getroffen wird?", wird das Paar in der Tageszeitung zitiert.

Auch vom Außenministerium fühlten sie sich zunächst wenig unterstützt. "Wir haben uns beim Außenamt sofort registriert, aber lange nichts gehört", stellen sie gegenüber der "Kleinen Zeitung" klar. Zwar habe es später drei E-Mails mit der Möglichkeit gegeben, per Bus vor der italienischen Botschaft nach Riad zu fahren, von wo aus Flüge starten konnten. "Doch das kam immer so kurzfristig, dass wir das organisatorisch in so wenig Zeit nicht geschafft haben." Schließlich gelang die Heimreise doch noch über den Reiseveranstalter. "Wir möchten TUI ausdrücklich lobend erwähnen, man hat sich vorbildlich um uns gekümmert", heißt es weiter.

Flüge bis zu 3.000 Euro

Doch nicht nur Urlauber direkt in der Krisenregion gerieten in Schwierigkeiten. Hannes (74) und Karin Moscher (54) aus Leoben saßen laut der Tageszeitung nach einer zweiwöchigen Kulturreise in Indien gleich elf zusätzliche Tage fest. Sie mussten in einem Hotel am Rand von Delhi warten. "Die Informationspolitik unseres deutschen Veranstalters war mehr als dürftig." Auch ein Vorschlag des Veranstalters, man solle den "Extra-Urlaub einfach genießen", sorgte für wenig Begeisterung.

Erst am Freitag konnten sie schließlich heimfliegen. "Mit dem Dienstgeber meiner Frau ließ sich das Gott sei Dank unkompliziert regeln. Die Mehrkosten muss nun der Veranstalter tragen", teilt das Ehepaar gegenüber der Tageszeitung mit.

Auch für Stefan Fritz (36) wurde der Heimweg kompliziert. Gemeinsam mit einem Freund wollte er von Singapur nach Hause fliegen - doch der Krieg brachte die Flugpläne durcheinander. "Wir haben dort versucht Flüge über andere Routen zu buchen, aber die schnellten rasch auf bis zu 3.000 Euro und mehr hinauf", sagt er der "Kleinen Zeitung". Schließlich fanden sie eine Alternative. Sie buchten ab Shanghai um 750 Euro, hängten eine Woche dran und schauten sich noch Hongkong und Shanghai an, berichtet die Tageszeitung. Trotzdem blieb ein finanzieller Schaden. "Wir hatten sicher jeweils Mehrkosten von 1.500 Euro. Aber für uns war es auch ein Urlaub", sagt Fritz, der inzwischen wieder in seinem Café arbeitet.

Kritik an Notrufnummer des Ministeriums

Deutlich weniger entspannt erlebte ein Paar aus Graz-Umgebung seine Heimreise aus Sri Lanka. Auch dort spürte man die Auswirkungen des Konflikts, nachdem vor der Küste ein iranisches Schiff von den USA versenkt worden war, schreibt die "Kleine Zeitung". Unterstützung vom Außenministerium empfanden die beiden als unzureichend. Zudem kritisieren sie die Notrufnummer des Ministeriums: Diese sei über Internet-Telefonie wie WhatsApp nicht erreichbar.

Schließlich organisierten sie ihre Heimreise selbst - allerdings zu einem stolzen Preis. Das Ticket zurück nach Österreich kostete pro Person rund 3.200 Euro. In einer WhatsApp-Gruppe von gestrandeten Reisenden sorgten Fotos deutscher Staatsbürger zusätzlich für Frust: Diese zeigten offenbar teilweise fast leere Rückflugmaschinen.

"Wir haben 5.650 individuelle Fälle betreut"

Das Außenministerium weist die Kritik in der "Kleinen Zeitung" zurück. Sprecher Clemens Mantl betont, dass in den ersten Kriegswochen im Iran rund 18.000 Österreicher in der Region waren. "Wir haben 5.650 individuelle Fälle betreut und jeden Tag auch Busse organisiert, um Bürger etwa nach Riad zu bringen, wo Flüge starten konnten."

Insgesamt seien rund 800 Österreicher ausgeflogen worden, für weitere 123 habe man gemeinsam mit europäischen Partnern die Ausreise organisiert. Zudem seien Betroffene über mehr als 130 Aussendungen informiert worden.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 16.03.2026, 10:09
Mehr zum Thema
Jetzt E-Paper lesen